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	<title>Blog Archive - Advaita Tantra</title>
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	<description>Den Körper neu erleben mit Tantra</description>
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	<title>Blog Archive - Advaita Tantra</title>
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		<title>Ursprung meines tantrischen  Weges &#8211; das Jahrestrainig beginnt am 29.März !</title>
		<link>https://advaita-tantra.de/meine-tantrischer-weg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[AdvaitaBach]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Mar 2024 15:26:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Bioenergetik]]></category>
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		<category><![CDATA[Wecken der Lebensenergie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Liebe Leser/innen ich nehme an, du hast schon eine Ahnung, was Tantra ist oder sein könnte. Es gibt viele Zweige am großen tantrischen Baum. Ich habe angefangen, ein Buch über meine Arbeit zu schreiben. Hier gibt es eine Vorveröffentlichung der ersten Kapitel in Auszügen, damit du verstehst, warum ich an den Anfang aktive, feurige Methoden...</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #993366;">Liebe Leser/innen</span></p>
<p><span style="color: #800080;">ich nehme an, du hast schon eine Ahnung, was Tantra ist oder sein könnte. Es gibt viele Zweige am großen tantrischen Baum. Ich habe angefangen, ein Buch über meine Arbeit zu schreiben. Hier gibt es eine Vorveröffentlichung der ersten Kapitel in Auszügen, damit du verstehst, warum ich an den Anfang aktive, feurige Methoden stelle und nicht mit Kuscheleinheiten anfange. Die nächsten Tage werde ich jeden Tag ein weiteres Kapitel einstellen, über Atem, Bewegung und Stimme, die &#8222;heilige Dreieinigkeit der Bioenergetik&#8220;</span></p>
<p><span style="color: #ff0000;"><span style="color: #0000ff;">Hier geht es los</span>:</span></p>
<p><span style="color: #993366;">&#8222;Mein eigener Ansatz ist langsam gewachsen, aus Anschauung der Arbeit von Margot (Anand, Gründerin von Skydancing). Ich assistierte noch, da organisierte ich für sie ein Tantra-Training; es war das erste in Deutschland überhaupt, ein Jahrestraining. Wir hatten zehn Tage veranschlagt, drei Tage Basisarbeit, drei Tage Herz, drei Tage Spiritualität.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Nach drei Tagen kam die Basisarbeit so gerade in Schwung, dann wechselten wir schon in die sanfte Herzenergie.  Ich sagte zu ihr: Warum machen wir an der Stelle nicht weiter? Die Themen kommen ja gerade erst in Schwung?“ Sie antwortete: „Wenn du ein Mal anfängst, hört das niemals auf mit den Schmerzen der Kindheit. Deshalb gehen wir jetzt weiter.“  Ich:“Aber wenn das die Basis ist, wie kann man dann das Lehrgebäude des Tantra darauf setzen?“</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Am Ende dieses Seminars trennten sich unsere Wege.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Nach unserer dramatischen Trennung kehrte ich zurück in meine Heimatstadt Wiesbaden und begann, selbst Seminare zu geben und vor allem auch Einzelsitzungen. Erst dadurch, dass ich Menschen besser kennen lernte und mehr Einzelheiten, vor allem auch über  ihre sexuelle Geschichte erfuhr, und welche Erfahrungen genau hinter sexuellen Blockaden stecken, entwickelte ich nach und nach, über Jahre eine funktionierende Sexualtherapie.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Nie hätte ich gedacht, wie viel sexuellen Missbrauch es gibt, wie viel  brutale Gewalt kleine Kinder ertragen müssen.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Ich hätte es wissen können, weil ich das alles selbst erlebt habe. Dennoch war ich kein Kind von Traurigkeit und hatte noch nie einen Therapeuten gesehen als Patientin. Ich war nie schüchtern, in der Schule recht erfolgreich, sexuell sehr aktiv. Meine Partnerschaften zerbrachen andauernd, aber auch das brachte mich nicht wirklich auf den Gedanken, dass das mit meiner 150%tigen dysfunktionalen Familie und Kindheit zu tun haben könnte. Ich hatte das, was man heute in der Psychologie als Resilienz bezeichnet; das heißt, ich hatte vielfältige Kompensationen entwickelt. Da ich erst im letzten November 19 mit dem Rauchen aufgehört habe, weiß ich auch erst jetzt, wobei es mir geholfen hat: meine frühen Persönlichkeitsanteile zu unterdrücken, eine dominante Persönlichkeit zu werden, zu bleiben und  auf die  weniger dominanten Personen hinunter zu schauen.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Auch die Psychologie &#8211; Vorlesungen, die ich während meines Studiums in Frankfurt besucht hatte, drehten sich selten um das individuelle Kindheitstrauma, sondern eher um Massenpsychologie, das kollektive Trauma der Deutschen, ihre Schuldfrage. Gibt es eine kollektive Schuld? Damit setzten wir uns auseinander, unsere Eltern leider weniger.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Da wir 1969 auch gerade die autoritären Strukturen an der Universität aufbrechen wollten, kontemplierten wir eher selten die eigene Psyche. Es ging immer um das  große Ganze.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Da das große Ganze immer aus vielen kleinen und sogar sehr kleinen Teilen besteht, „die Gesellschaft“ im Grunde ein Abstraktum ist, dass das Individuum zählt und dessen Freuden und Leiden – das habe ich dann später im Tantra gelernt. Erst in diesen sechs Jahren  Lehrzeit eröffneten sich mir die Zusammenhänge von Körper, Seele und Geist. Bis heute dauert dieser Prozess des Verstehens der Zusammenhänge im Spiegelkabinett der menschlichen Seele an.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Welche Methoden und Strukturen wie auf welchen Menschen wirken, wo sie sinnvoll sind, wo nicht- endlos die Entdeckungen, Erfahrungen und Rückschlüsse – sie entwickeln sich immer weiter. . Schon lange gehen Lehren und Lernen ineinander über – die menschliche Natur  ist ein nie vollkommen gelöstes Rätsel, „Der Mensch“ ist auch ein Abstraktum, die Psychologie keine Naturwissenschaft.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">In dieser Zeit, nachdem ich mich gelöst hatte von meinem  Nest, saß ich eines Tages am Schreibtisch und ich fragte mich: „Was haben  ALLE Menschen  gemeinsam, jenseits  ALLER Kulturen, Mann, Frau, Kind?“ Die Antwort kam aus meinem Innern: <strong>„Jeder Mensch möchte geliebt werden, wie er oder sie IST, nicht, wie er oder sie SEIN SOLLTE.</strong> Und jedes Kind soll irgendwie sein, selten einfach es selbst.“ Damit war die Ur-Idee meines „Primals“  geboren, des ersten Abschnitts meiner eigenen Jahresgruppe.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Ich gehe davon aus, dass das Kind, jedes Kind absolut unschuldig ist. In der christlichen Religion werden wir mit der</span> <span style="color: #993366;">„Erbsünde“ geboren- da Adam und Eva „von Gott gefallen sind“ durch ihren Ungehorsam haben wir alle ihre Sünde geerbt. Auch ich selbst bin katholisch geboren und mit diesem Unsinn von der mütterlichen Seite groß geworden. Furchtbar: noch bist du nicht geboren und dennoch schuldig!</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Überhaupt ist die Schuldfrage eine wichtige Repressalie, mit der man Kinder unterdrückt: sie kommen schon mit Ballast auf die Welt. Das ist eine schlimme Idee, hatten doch die betroffenen keinerlei Mitspracherecht bei der Installation dieser Idee.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Das ist die christliche Welt; aber gehen wir nach Asien, auch und gerade im Hinduismus  besteht die Idee der Reinkarnation. Ich möchte hier nicht diskutieren , ob es sie gibt oder nicht.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Mir geht es darum, dass auch ein Kind, das innerhalb dieser Kultur geboren wird, bereits belastet ist aus seinen Vorleben, wenn er oder sie „schlechtes Karma“ hat. Womit dann unter Umständen erklärt wird, warum man in der Kindheit missbraucht wurde, geschlagen, gedemütigt: man hat es ja irgendwie verdient, vielmehr waren die Väter, Mütter, Omas, Opas und so weiter geradezu Werkzeuge des Göttlichen, weil sie dem karmischen Gesetz zur Vollendung verholfen haben.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Da gehe ich auf die Barrikaden: falls ich vergangene Leben habe, mich aber nicht erinnern kann, weil ich bei der seligen Verschmelzung der elterlichen Urzellen alle vergessen habe: welcher unbarmherzige Gott oder welches Gesetz aus dem Jenseits kann mich dafür zur Verantwortung ziehen?</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Systeme, auch Wertesysteme ordnen das Kind einfach ein und exerzieren manchmal eine schreckliche Macht.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Für mich sind alle Kinder unschuldig, auch du, auch ich.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Zu wissen, wer wir waren, was uns geschehen ist, als wir klein waren, wie wir damit umgehen bis heute, wie viel Unbewusstes in uns steckt, das scheint mir essentiell, um „Gott“ und „Göttin“ in uns wahr zu nehmen – das ist das Narrativ des Tantra.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Das ewige Motto aller spirituellen Wege:<strong> „Erkenne dich selbst!“ muss sich auch auf die eigene Genesis beziehen</strong> – sonst weiß ich nicht, wer ich bin. Weiß  ich das nicht, kann ich auch dich nicht wirklich erkennen, lieben, erst recht nicht mit dir „verschmelzen“. Kenne ich meine Grenzen nicht, kann ich mich auch nicht wirklich entgrenzen, angstfrei und voller Vertrauen in mich, in dich, ins Grenzenlose. Nicht weniger soll möglich sein im Tantra.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Wobei es immer von deinem Entwicklungsstand abhängt, unabhängig vom spirituellen Weg, den du gehst, wie viel du zulassen kannst, in welchem Masse dein  endlicher Körper das Bewusstsein von Unendlichkeit erlauben kann.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Solange ich mit Margot zusammen gewesen war, schien es darum zu gehen, bereits vorhandene ekstatische Energie zu steigern, das Menschsein zu veredeln, zu erheben zum göttlichen Bewusstsein.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Manchmal schien es mir auch zu schnell zu gehen mit dem göttlichen Sein, mit Shakti- Sein –ich fühlte mich eigentlich wie vorher, nur mit neuem Titel.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Also ging ich die Sache mit deutscher Gründlichkeit an.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Ich war so begeistert vom Tantra, dass ich dachte:“Wie wunderbar, den Menschen das Paradies zu zeigen, das in ihnen liegt.. Das werde ich Rest meines Lebens machen.“ Rückblickend habe ich mindestens 70%  meines Honorars mit der Therapie verdient.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Ich sagte mir: Bevor ich durch ein tantrisches Bewusstsein meine Werte verändere, tantrische Techniken anwende, um meine Sexualität mit meinem Erleuchtungswunsch zu verbinden, geht es <strong>zuerst darum, eine natürliche, frei fließende</strong> <strong>Sexualität auszugraben.</strong> Wie Dornöschen hinter der Dornenhecke den Prinzen brauchte, um zu erwachen, so braucht eine <strong>unverbogene, freie, unschuldige, schamlose Sexualität das Tantra oder zumindest einen Anstoß.</strong> Dass Sexualität nicht nur per se etwas Unschuldiges, Naturgegebenes ist, dass sie sogar heilig sein kann, mir helfen kann, das Göttliche zu erfahren, erschien mir damals als die beste Idee überhaupt- viel mehr als die sexuelle Freiheit, die wir uns ja sowieso auf unsere Fahnen geschrieben hatten.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Dann zeigte mir ein Blick auf mein  Klientel, dass mindestens die Hälfte der Frauen große Schwierigkeiten hat, einen Orgasmus zu bekommen. Mindestens ein Drittel  der Männer kämpft mit ejaculatio praecox (vorschnellem Samenerguss) und ein weiteres Drittel hat Erektionsschwierigkeiten</span>.</p>
<p><span style="color: #993366;">Diese weit verbreiteten sexuellen Blockaden waren während meines Trainings noch nicht ein Mal erwähnt worden.<strong> Ich beschloss, die Dinge beim Namen zu nennen und erarbeitete über Jahre und Jahrzehnte ein Konzept zu körperbetonten Sexualtherapie, das auch außerhalb des tantrischen Feldes funktioniert, aber immer körpertherapeutisch bleibt.</strong></span></p>
<p><span style="color: #993366;">Für Menschen, die keine sexuellen Blockaden haben, sind die entsprechenden Übungen und Methoden dennoch nützlich, weil sie das sexuelle Feuer wecken.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Eine Medizin ohne schädliche Nebenwirkungen und obendrein förderlich für Gesunde. Wo gibt es das noch?</span></p>
<p><span style="color: #993366;">In den tantrischen Schriften, mit denen ich mich beschäftigte, war auch immer wieder die Rede davon, dass das tantrische Bild  vom Kosmos, die Kosmogonie, zyklisch sei, im Gegensatz zum westlichen Weltbild, das sich auf einer Zeitachse wie auf einer geraden Straße von der Vergangenheit in die Zukunft bewege. Nicht nur im Rad der Jahreszeiten, sondern auch in langen Zeitperioden, wie sie die indische Astrologie kannte, die übrigens von elliptischen Umkreisungen eines fiktiven Zentrums des Universums ausgeht, das Brahma heißt,die Weltenseele, wie sie z.B. im Kundalini-Yoga genannt wird.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Zurück zum menschlichen Leben bedeutet das auch, dass der Tod Teil des Ganzen ist.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Dann befasste ich mich mit dem Tod und stellte fest, dass der auch sehr verdrängt in der westlichen Gesellschaft, obwohl allgegenwärtig in der Unterhaltungsindustrie.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Wir sperren die geistig Kranken weg, auch wenn ihr Defizit harmlos sein sollte, die Toten siehst du nirgendwo, außer es betrifft dich persönlich,  im Film oder in den Nachrichten.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Wäre der Gautama Buddha heute in einer westlichen Gesellschaft ausgebrochen aus seinem Palastgefängnis, es wäre ihm nicht begegnet, was er damals zu sehen bekam: Krankheit, Wahn und Tod.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Und so hätte vielleicht seine Wahrheitssuche nie statt gefunden ohne die Stimulation durch diese Anschauung. Nur so ein Gedanke.</span></p>
<p><span style="color: #993366;"><strong>Mein Ansatz sollte das ganze menschliche Leben umfassen, integrierend wirken auf den Menschen, der es praktiziert, ihm zu großer Lebendigkeit verhelfen, die sogenannten „letzten Fragen“  ansprechen, ihn befreien vom Korsett der gesellschaftlichen Konventionen, aber auch zur Erkenntnis der inneren Zwänge führen und letztendlich zur Befreiung davon führen können</strong>.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Deshalb habe ich auch die Todesgruppe entwickelt, um dieses große Thema der eigenen Endlichkeit mit einzubinden.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Durch Erkenntnis (Jnana) und Liebe (Bhakti) zur Befreiung finden aus dem Kreislauf von Opfer und Täter, die Auflösung des „Karmas“. (Konsequenzen aus Taten, Worten und Gedanken).</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Mein Ehrgeiz bestand auch darin, auf der einen Seite verstanden zu haben, was ich gelernt hatte, aber auf der anderen Seite auf keinen Fall eine Kopie zu sein, sondern ein Original.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Je länger ich  mich mit Tantra beschäftigte, umso klarer wurde mir die umfassende Lehre von Mensch und Kosmos, Mikrokosmos Mensch im Makrokosmos Universum.</span></p>
<p><span style="color: #993366;"><strong><em>Die Wahrheit ist meine erste Priorität. Sie zu wissen, auszuhalten, in ihrem Anblick zu wachsen und nicht zu schrumpfen, auf sie zuzugehen, nicht zu fliehen, stehen zu bleiben und durch sie  und mit ihr ins Strahlen zu kommen, in den höchsten Genuss der Existenz. Wenn es wahr ist, dass  unsere Essenz das Göttliche ist, dann brauchen wir nichts zu fürchten letztendlich.</em></strong></span></p>
<p><span style="color: #993366;">Mir kam es so vor, als ob die Verdammung der Sexualität im christlichen und islamischen, aber auch im fundamental-hinduistischen Umfeld viel Furcht und Angst erzeugt, damit wir genau das NICHT wahrnehmen: die göttliche Ur -Natur in uns &#8211; weil die uns furchtlos macht vor jeder Instanz, sei sie weltlich oder institutionell kirchlich.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Tantra ist für mich: vom Baum der Erkenntnis essen, nackt und ohne Lingam und Yoni zu bedecken.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Sie sahen, dass sie waren wie</span><br />
<span style="color: #993366;">Gott. Adam und Eva.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Nun, die beiden gehorchten nicht, verführt durch die Schlange, die dadurch im Christentum zu einem Symbol des Destruktiven wurde. Sie verlieren das Paradies, sie bekommen Kinder; bald darauf passiert der erste Mord. Eine mythische Strafe, für die wir, wenn wir daran glauben, heute noch büßen.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Die christliche Religion stellt das Geschöpf Mensch Gott <u>gegenübe</u>, er verschmilzt nicht mit Gott, er betet zu ihm, bittet um alles Mögliche, bleibt aber immer „Sünder“, kam nie unschuldig auf die Welt.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Jedes Mal, wenn das Maithuna-Ritual auf dem Höhepunkt ist, schaue ich in die Runde und verstehe nicht, warum nicht jeder Mensch so leben will: als lustbetonte/r Sucher/in!  Die Laute der Lust eine Stimme im Konzert der Schöpfung. Sein/ihr  Körper in einem ekstatischen Zittern, seine/ihre  Seele losgelöst von den Fesseln des Verstandes, sein/ihr  ganzes Wesen hingegeben in Wonne als Gebet der Schöpfung in Vereinigung.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Das  Bewusstsein der Ebene von Shiva/Shakti  ist bei den meisten Menschen verschleiert, vernebelt oder sogar so sehr verdunkelt durch Repression und Trauma, das es gar nicht wahrgenommen wird.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Damit Maithuna so bewusst wie möglich wahrgenommen werden kann, beginne ich mit den „Schleiern der Unbewussten“, wie die Buddhisten sagen, die es erst ein Mal<strong> wegzunehmen</strong> gilt.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Hier kommt das Kindheitsdrama ins Spiel.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Das Kindheitsdrama ist  eine absolut westliche Idee. So, wie die Psychoanalyse meiner Meinung nach auch nur im Westen entstehen konnte, ist doch schon das Wort für Individuum (ungeteilt) ein griechisches Wort. Auch die Begriffe „schwarze Pädagogik“, „autoritäre Persönlichkeit“ entstammen westlichem Denken. Auf meinen vielen Asienreisen wurde mir das sehr klar. Sah ich doch dort, teilweise mit Schrecken, wie autoritär  Eltern dort mit ihren Kindern umgehen, denen es niemals einfallen würde, die Autorität der Eltern in Frage zu stellen.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Moderne Pädagogik ist auch eine westliche Entwicklung.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">An dem Punkt bedeutet die Verknüpfung von westlichen Methoden der Körpertherapie mit den östlichen Methoden der Energieerweckung eine Symbiose, man verbindet das Beste zweier Welten.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Therapie oder Meditation entfalten zusammen die Ahnung von SatChitAnanda (Sein, Bewusstsein, Glückseligkeit. Reell, fassbar, konkret, unbestreitbar</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Das ist „Neo“, insofern „Neo-Tantra“, eine Silbe, die meistens weggelassen wird im heutigen Sprachgebrauch, aber eigentlich korrekt wäre für den erotisch-therapeutischen Zweig des Tantra. Es gibt noch das strikt traditionelle Vajrajana -Tantra, ein buddhistischer Weg neben Hinahajanaund Mahajana.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Im  Advaita- Tantra spielt das klassische Tantra gleichzeitig  eine große Rolle – es gibt einen nach wie vor einen gültigen Fahrplan durch die Bewusstseinsebenen, kanalisiert die Energie, ist eine Weisheitsquelle.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Bei der Gestaltung meiner Arbeit ist es mir sehr wichtig, dass die vielen Methoden, erlernt oder selbst erfunden,  nicht zum Mischmasch werden, sondern<strong> trotz der Verschiedenheit der Quellen und der gewaltigen historischen Differenz a</strong>uf jeden Fall eine INNERE Logik aufweisen, damit die Entwicklung des oder der Praktizierenden Schritt für Schritt voran geht, aber nicht verwirrt oder Konfusion sät, oder auch nur unverbunden nebeneinander steht. Das bedeutete manchmal, dass ich erlernte Methoden neu gewichtete, neu moderierte, damit ein Seminar konsequent  einem Thema untergeordnet ist, um einen Kompass zu haben, wohin es gehen soll.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Wohin es gehen soll, formuliere ich auch gerne deutlich und nicht wolkig.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Nach vielen Jahren der Entwicklung und ständigen Anpassung  an den jeweiligen Zeitgeist  mit  immer neuen kreativen Ideen  für neue Strukturen, neue Formate, neue Rituale ist ein spezifisches, dynamisches  „Lehrgebäude“ entstanden – man verzeihe mir dieses ambitionierte Wort, aber ein anderes fällt mir nicht ein.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Die Wahrheit ist das erste Prinzip. Die Wahrheit über deinen Körper ist der Anfang. Auf dieser Ebene ist dein Körper die Botschaft. In ihm zu leben, ungehindert die in ihm angelegte Lust ausschöpfen zu können, mit allen Sinnen das höchste irdische Glück zu kennen, mit und durch den Körper Liebe empfangen und geben zu können, seine Botschaft zu verstehen.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">An dem Punkt allein ist die Arbeit daran Legion. Die körpertherapeutischen Methoden bestehen aus Atemübungen, bioenergetischen  Grundübungen, die <strong>chronische Muskelpanzerungen aufbrechen</strong>. Auf diese Weise werden unterdrückte Gefühle frei. Mit diesen umzugehen, die Ursituation aufzuspüren, die diesem Menschen  zugesetzt hat, als er noch so klein war, dass er keinerlei Kontrolle über das hatte, was ihm oder ihr geschah, ist die gemeinsame Aufgabe für Teilnehmer und Begleiter. Die Lebendigkeit wecken, heraus aus dem Korsett der frühen Sozialisation.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Die unterdrückten Gefühle zu befreien ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zu mehr Integration, aber es ist „nicht die ganze Miete“.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Zunächst sind Gefühle der Seele näher als Gedanken; aber Gefühle können irren, vor allem die aus der Kindheit. Sie haben der Situation damals entsprochen, aber nicht der heutigen Situation.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Alte, erstarrte Gefühle  verhindern das Wahrnehmen der augenblicklichen. den Schock in  der Kindheit zu verarbeiten und zu reifen in dem Sinne, dass das äußere Alter dem inneren entspricht – endlich.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Dieser Anfang meiner Jahresgruppe unterscheidet mich von den meisten Anbietern, weil er nicht genussorientiert daher kommt, sondern sehr vital, aber an der Oberfläche kratzend, die alte Persönlichkeitsstruktur erschütternd, um definitive Schritte zu gehen in der eigenen Entwicklung.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #993366;"><strong>Ohne Zugang zu sich selbst und den eigenen Gefühlen, wie soll ich eine große Liebende, ein großer Liebender werden? Ohne meine Wahrheit zu kennen, wie soll ich deine wahrnehmen?</strong></span></p>
<p><span style="color: #993366;">Mein Jahrestraining heißt : „Feuer der Transformation“ , weil es mehr sein soll als noch ein Seminar, das „schön“ war &#8211;  es soll die Menschen wirklich wandeln zu mehr Glück, mehr Liebesfähigkeit, mehr Aufblühen von Talenten, einem Leben mit einem angemessenen  Selbstwertgefühl.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Der nächste Abschnitt heißt „Body Love“ und ist der Pubertät gewidmet, dem Entdecken der Sexualität, der Körperlichkeit. Die zentrale Struktur, die therapeutische Körperbemalung, zeigt überdeutlich,  wo in der Beziehung zum Köper alles zutage tritt, was ihm je geschehen ist.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Mit der tantrischen Eigenliebe beginnen hier die Rituale, die den Weg weisen in den heiligen, sexuellen Genuss, was den meisten Menschen aus unserer christlich geprägten  Kultur zunächst schon sehr fremd ist. (Aber den allermeisten, nichttantrischen Hindus auch!)</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Mir geht es im besten Fall um den Wiedergewinn einer sexuellen Unschuld – wie sie wohl im Paradies vorhanden war, zumindest in meiner Projektion des Göttlichen. Das heißt, mit der unschuldigen, unverbogenen  sinnlichen Neugier eines Neugeborenen die Lust im Körper genießen, ohne Schuldgefühle und Reue.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">In diesem ersten tantrischen Ritual lernt der/die Teilnehmer/in das systematische, sensible und wissende tantrische Erwecken der Lust, die mit Sinnlichkeit vollgesogen ist und nach Möglichkeit  den ganzen Menschen erfasst und nicht nur eine partikulare, genitale Erfahrung.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Die Eigenliebe auf allen Ebenen, das heißt auch, sich selbst annehmen MIT allen Ungereimtheiten und menschlichen Unzulänglichkeiten ist ein lebenslanger Prozess, während dessen auch das Altern zu bewältigen ist.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Bis hierhin sind wir auf der Reise in das Selbst.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Erst im dritten Abschnitt „Lust und Liebe“ geht es um Kontakt,  Begegnung, Vereinigung: Maithuna.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Wer bis hierhin sich selbst lieben gelernt hat, ist  in der Lage, dem anderen angstfrei und offen für die Durchdringung auf der körperlichen, der seelischen und geistigen  Ebene zu begegnen.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Zuerst sich zur eigenen Lust bekennen in der Eigenliebe vor dem andern- und dann entfaltet sich Schritt für Schritt die tantrische Kunst des bewussten Zelebrierens,   die Seligkeit der Verschmelzung im Vereinigungsritual.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Und die Heiligen der Vorzeit durchdrangen den Himmel und die Erde und sie erkannten, dass wenn Ei und Same verschmelzen, die glückselige Ohnmacht des Vergessens eintritt. Deswegen, so sagen sie, vergessen wir unsere Vorleben.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Das wichtige aber ist, dass alle unsere Zellen sich an diese Glückseligkeit erinnern, weil  unser ganzer Körper aus der Durchdringung der zwei Urzellen, die zu einer wurden, entstanden ist.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Das klingt doch nachvollziehbar! Das ist die Verbindung zur Lebensenergie selbst –Tantra!</span></p>
<p><span style="color: #993366;">So ist jedes Ritual ein bewusstes Näherkommen an die Lebensenergie, in Polarität zur noch unbewussten Nähe des Fötus, des Kindes zum Leben im Mutterleib.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Jedes Ritual ist ein Gebet auf die Schöpfung.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Die Chakren (Energiewirbel) sind der Fahrplan der Phasen der Entwicklung von der Zeugung bis zum Tod – des physischen Körpers, so heißt es, und darüber hinaus in die Transzendenz.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Jetzt haben wir SEIN (SAT) und Bewusstsein (CHIT).</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Sollten wir bis zur Schwelle des Todes noch keine Erleuchtung erfahren haben, so sagt das tibetanische Totenbuch, ist das im Augenblick des Todes immer noch möglich.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Jeder Augenblick im Leben, in dem du deine Sorgen vergessen hast,  ob mitten im sexuellen Geschehen, bei seelenerfüllender Naturbetrachtung, durch herzenswarme Liebe manifestiert  sich Ananda.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Im Tibetanischen Totenbuch heißt es: während des Todes erscheint dir das große weiße Licht –dann darfst du nicht blinzeln oder dich erschrecken, offen bleiben für die Präsenz, dann bleibt dir der Abstieg durch die sieben Lokas  und die Wiedergeburt in einem menschlichen Schoss erspart.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Der letzte Abschnitt „Tod und Wiedergeburt“ ist die gebührende Krönung der Lebensreise.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Ich hatte nie ein Vorbild dafür, und dachte mir, durch das Studium der Schriften inspiriert, dass ein Jahrestraining ohne Thematisierung dieses Themas  nicht vollständig wäre.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Gleichzeitig gibt es viele Tode im Leben, Glückseligkeit manchmal, Tamas(Dunkelheit), Rajas(Feuer) und Sattvas(Licht) immer dabei-alle Prinzipien durchdringen sich permanent gegenseitig und sind doch differenziert und sehr verschieden. Eine Gehirnzelle und eine Augenzelle und eine Leberzellekommen aus derselben Quelle und haben doch verschiedene Funktionen.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Tantra hat schon in der Tradition einen großen „Werkzeugkoffer“, das heißt, sehr viele Methoden der Versenkung, der spirituellen Erotisierung, der graduellen Hinführung zur Vereinigung.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Nimmt man für ein modernes Tantra die große Zahl moderner Methoden hinzu, dann ist das ganze Lehrgebäude des Tantra, das auch in der traditionellen Form von niemandem, den ich kenne oder kannte, vollkommen vertraut war , so ist es immens nicht nur in der Quantität. So braucht man eine Richtschnur, welche tantrischen Qualitäten entwickelt werden sollen.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Für die eigene Person; so, wie es im hinduistischen Vielgötterhimmel auch üblich ist, dass eine Person sich eine Gottheit  nimmt für die ganz persönliche Entwicklung und nicht alle, angeblich Millionen Götter des Hinduismus <u>gleichzeitig </u>verehrt.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Da es nicht um Leistung geht, sondern um einen spirituellen Aspekt, darf man sich aussuchen, was Schwächen ausgleicht. In meinem Fall ist das zum Beispiel nicht die Ruhe verlieren oder auch bei Aufregung die Stimme nicht so hochzufahren.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Für eine andere Person, die sich kaum je aufregt über irgendwas und immer mit leiser Stimme spricht, kann es genau um das‚ Gegenteil gehen</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Insgesamt gab es 64 tantrische Künste, zu denen auch das Schachspiel gehörte, das Reiten und das Erzählen einer erotischen Geschichte. Selbstverständlich auch die Kunst, eine großer Liebender, eine große Liebende zu sein.  Ein Liebesgedicht schreiben, Tanzen, im Tempel und zur Freude des Königs, ein Gedicht schreiben –alles, was der Freude diente, der Lust, nicht nur des Körpers.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">So, wie es in der Tradition schon verschiedene tantrische Wege gab, die keineswegs alle mit einander verbunden waren; so gibt es heute in der Welt des modernen Tantra viele Anbieter, deren Verständnis der Sache auch keineswegs kongruent ist, außer in einem Punkt: das Sexualität im tantrischen Sinne etwas Sakrales ist, vor allem die Maithuna-Rituale.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Doch die zelebrieren zu können, ist die Krönung des Weges.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Alles fängt am Anfang an, der Bau eines Hauses mit dem ersten Stein, des halb widmen wir uns jetzt dem Anfang- und das ist für mich die Therapie.</span></p>
<p>A<span style="color: #993366;">ber eines ist auch wichtig, zu betonen: dem klassischen, traditionellen Tantra ist dein Kindheitsdrama vollkommen egal, es wird nirgendwo erwähnt. <strong>Auch deine Beziehungen, deine Eifersucht, deine Krankheiten spielen in den traditionellen Schriften keine Rolle. Auch von Therapie ist dort keine Rede, das Wort allein gibt es nicht. Erst dieses neue Tantra verknüpft dein individuelles Sein mit dem der Transzendenz.</strong></span></p>
<p><span style="color: #993366;">Die alten Rituale wirken  heilsam, weil sie von<strong> tiefem Respekt vor dir beseel</strong>t sind.</span></p>
<p>Ich bitte um Feedback und deine Fragen. ruf mich einfach an:0611 374748</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>TOD UND WIEDERGEBURT</title>
		<link>https://advaita-tantra.de/tod-und-wiedergeburt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[AdvaitaBach]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Oct 2023 15:44:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Bewusstsein]]></category>
		<category><![CDATA[Endlichkeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Tod]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>TOD UND WIEDERGEBURT (Der folgende Artikel ist vor inzwischen weiteren fast dreißig Jahren erschienen, hat aber von seiner Aktualität nichts eingebüßt. Vom 29.Oktober bis 4.November 23 findet das nächste Seminar diesen Inhalts wieder statt. Inzwischen bin ich 74, dem großen Tor näher als damals. Die Endlichkeit meiner Tage ist mir mehr bewusst denn je &#8211;...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>TOD UND WIEDERGEBURT</p>
<p><em>(Der folgende Artikel ist vor inzwischen weiteren fast dreißig Jahren erschienen, hat aber von seiner Aktualität nichts eingebüßt. Vom 29.Oktober bis 4.November 23 findet das nächste Seminar diesen Inhalts wieder statt. Inzwischen bin ich 74, dem großen Tor näher als damals. Die Endlichkeit meiner Tage ist mir mehr bewusst denn je &#8211; ein Tag wird der letzte sein, ein Atemzug der letzte und ich will vorbereitet sein. Mein Partner Hermes ist 2009 verstorben an Morbus Hodge. Andere Männer  sind vestorben an den unterschiedkichsten Ursachen: Gehirnanuerisma, tödlicher Unfall, Lungenkrebs.)<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-6190" src="https://advaita-tantra.de/wp-content/uploads/2023/10/Towie173-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" srcset="https://advaita-tantra.de/wp-content/uploads/2023/10/Towie173-300x300.jpg 300w, https://advaita-tantra.de/wp-content/uploads/2023/10/Towie173-1024x1024.jpg 1024w, https://advaita-tantra.de/wp-content/uploads/2023/10/Towie173-150x150.jpg 150w, https://advaita-tantra.de/wp-content/uploads/2023/10/Towie173-600x600.jpg 600w, https://advaita-tantra.de/wp-content/uploads/2023/10/Towie173.jpg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></em></p>
<p>Als mein Vater starb vor über zwanzig Jahren, befand er sich im Krankenhaus. Obwohl sein Todeskampf viele Stunden dauerte, rief das Personal weder meine Mutter noch mich an, obwohl ich sehr nah am Krankenhaus wohnte und ihn täglich besucht hatte. Ich erinnere mich noch gut an den letzten Blick, den wir miteinander austauschten: wir hielten uns die Hände, seine braunen Augen hatten große Tiefe, Stille herrschte zwischen uns. Das war am Nachmittag seines Todestages, in der Nacht sollte er sterben. Er war sehr krank und litt sehr. Während ich mir diesen Augenblick in Erinnerung rufe, treten mir die Tränen in die Augen, obwohl unsere Beziehung sehr problematisch war. Ich weine nicht, weil er gestorben ist, sondern darüber, wie er gestorben ist: in der anonymen Umgebung des Krankenhauses, ohne die Anwesenheit seiner Frau, seiner Töchter, seiner Freunde. Ein Priester kam auch nicht an sein Totenbett, weil er ein Freidenker war, keiner Kirche angehörte und auch in seiner Todesstunde nicht nach den Tröstungen der Kirche rief.<br />
Sein Tod war leider ein Abbild dafür, wie die moderne Gesellschaft mit dem Tod umgeht: klinisch, ohne Würdigung der Bedeutung, die der Tod hat – führt er uns doch unerbittlich die Vergänglichkeit des Körpers vor Augen – eine Tatsache, die in unserer materialistisch orientierten Gesellschaft mit ihrer Verherrlichung des Jungen und Dynamischen gerne verdrängt oder banalisiert wird.<br />
Auch in meiner eigenen Familie wurde ich lächerlich gemacht, als ich allen Ernstes meinem Vater die Lektüre des tibetanischen Totenbuches vorschlug, als sich abzeichnete, dass seine Krankheit in den Tod münden würde. Ich war noch jung und naiv, war gerade von meinen ersten großen Abenteuern in der Welt zurückgekehrt, als Vegetarierin und angehaucht von östlichen Religionen, dem Kriya-Yoga nach Yogananda und eben der Lektüre des tibetanischen Totenbuchs, das ich mir so enthusiastisch einverleibt hatte, dass ich nachts fürchterliche Träume hatte vom rauchfarbenen Loka (Bewusstseinsebene im Bardo), über das der Todesgott Yama herrscht. Musik, auf Menschenknochen gespielt, rauschte mir im Traum durch das Bewusstsein. Ich sah meine Taten als weiße und schwarze Steine auf seiner untäuschbaren Waage, sah wie eine Feder darüber entscheiden konnte, auf welcher Ebene des Bewusstseins ich entweder noch im Bardo (Reich zwischen Tod und Wiedergeburt) verweilen durfte, oder welche Art der Wiedergeburt in der Welt der Menschen ich mir zu vergegenwärtigen hatte. Aber auch die tröstliche Botschaft vom Eintauchen in das große weiße Licht im Augenblick des Todes war mir ins Herz gesunken – und wie wichtig es sei, sich auf diesen Moment vorbereitet zu haben, damit das Bewusstsein gesammelt und konzentriert auf die Reise in jenes Reich geht, von dem noch niemand zurückgekehrt ist. Deshalb schlug ich meinem Vater eine solche Lektüre vor und sagte: „Du wirst bald ins große, weiße Licht eintauchen!“ Meine Mutter und meine Schwester waren entsetzt darüber, dass ich das Offensichtliche so ansprach. Sie brachten ihm für die letzten Tage seines Lebens Kuchen und Kreuzworträtsel mit! Ich konnte es nicht fassen, und in dieser Sache wie in so vielen anderen herrschte Unverständnis zwischen uns. An seinem Grab und während der folgenden Feier redeten wir fast kein Wort miteinander außer dem Nötigsten. Der Anblick der aufgebahrten Leiche hatte mich mit Entsetzen erfüllt: kein Ausdruck des Friedens in seinem Gesicht, seine Kiefer klafften auseinander, offenbar war die Leichenstarre eingetreten, bevor das Personal ihn gefunden hatte!</p>
<p>Jahre später, als ich Sannyasin wurde, mit vielen Therapieansätzen in Berührung kam und in Tantra ausgebildet wurde, fiel mir auf, dass wir uns in der Primärtherapie mit der Kindheit auseinandersetzen, im Rebirthing mit dem Geburtstrauma, in der Reinkarnationstherapie mit früheren Leben, in der Pränataltherapie mit dem Erleben des Fötus im Mutterleib; im Tantra mit Liebe, Sex, Eros beschäftigten, mit dem feinstofflichen Körper in der Energie- und Chakra-Arbeit, in der Bioenergetik mit den Blockaden im grobstofflichen Körper – aber eine gründliche Auseinandersetzung mit dem Tod schien mir zu fehlen. Selbstverständlich sind wir in der Therapie ständig bemüht, die Menschen zum Loslassen aufzufordern – aber das ganz große Loslassen, nämlich das Ende des physischen Körpers, wird nicht so gründlich angeschaut. Dann studiere ich tantrische Schriften, buddhistische, hinduistische und natürlich immer wieder Osho zum Thema Tantra, zum Thema Tod. Nach acht Jahren Tätigkeit im Gruppenraum kam die Zeit, meine eigene Jahresgruppe zu kreieren. Mir war klar geworden, dass unsere Gesellschaft nicht nur den Sex verdrängt, obwohl er uns von jeder Plakatwand anschaut, sondern auch den Tod, obwohl uns jeder normale Fernsehabend reichlich Leichen beschert.</p>
<p>Das Prinzip der Totalität gefiel mir, und der Gedanke, dass ein total gelebtes Leben auch den Tod leichter macht. In einer Veeresh-Gruppe hieß es: „Stell dir vor, du wirst morgen sterben und heute ist der letzte Tag deines Lebens!“ Da war das Leben gleich noch intensiver, und ich bin ein wenig vernarrt in Intensität. So kam ich auf den Gedanken, den ganzen Zyklus des menschlichen Lebens in dieser Jahresgruppe abzubilden, also auch eine Todesgruppe mit einzuschließen. Nach dem Studium des „Königsliedes von Saraha“ und anderer tantrischer Schriften war mir klar, dass der Tod ein sehr tantrisches Thema ist, lebte doch auch Saraha mit seiner Pfeilmacherin in tantrischer Liebe im Anblick eines Friedhofs, der ihn und seine Shakti immer an die Vergänglichkeit alles Körperlichen erinnerte. So fiel mir auf, dass die asiatischen Religionen die Vergänglichkeit des Irdischen oft so sehr betonen, dass sie todesorientiert sind und das irdische Leben verneinen. Die Menschen in diesen Kulturen empfinden Abscheu für das „Samsara“ (die vergängliche, deshalb täuschende Welt der körperlichen Phänomene) und nehmen in dieser Welt ein Schicksal hin, zum Beispiel als Kastenloser, in Armut, Unterdrückung und Dreck, ohne gegen die zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit aufzubegehren – ihr „Karma“ aus einem früheren Leben hat es so eingerichtet! Hier, in unserer Kultur dagegen, kümmern wir uns allzu einseitig um das Diesseits und seine Belange: die Bequemlichkeit des Körpers, Geld, Macht, Ruhm, wir „machen“ immerfort und halten nicht inne, um uns auch darüber klar zu werden, dass „das letzte Hemd keine Taschen hat“!<br />
(Obwohl auch das Christentum sehr todesorientiert ist, fehlt das Dogma der Reinkarnation. Yamas Todesreich hat Ähnlichkeiten mit dem Jüngsten Gericht, aber es gibt kein Bardo, weil es keine Wiedergeburt gibt. Wie auch immer, die Religion spielt in unserer Kultur heute eine geringere Rolle als in Ländern des Islam oder des Hinduismus, wir sind in einem viel besungenen Wertewandel mit allen Vor- und Nachteilen: mehr Freiheit für das Individuum, aber auch mehr Konfusion.)<br />
Tantra, so wie ich es verstehe, liebt das Leben und den Körper, nimmt den Körper als Geschenk, nicht als Strafe oder Illusion, liebt die Ego-sprengende Liebe, kultiviert die körperliche Liebe als Schubkraft des Spirituellen mit dem Wissen um die geheimnisvolle Kundalini und wie man sie stimuliert. Aber es weiß auch um die Vergänglichkeit des Körpers, liebt das Leben vielleicht deshalb umso mehr, hat eine „Landkarte“ für den feinstofflichen Körper mit den Chakren, und weist mit der Kosmologie der zyklischen Dynamik über alle Körperlichkeit hinaus – auf jenen schwarzen Tunnel hin, dem viele Nahtoderfahrungen berichten, den wir Tod nennen. Tantra weiß, dass Leben und Tod eins sind, nicht zwei! Dass jedes Einatmen Leben ist, jedes Ausatmen Tod; dass wirklich jeder tiefe Orgasmus der Tod des Egos ist: es muss seine Kontrolle aufgeben. Jedes Einschlafen ist eine Art Tod, jeder schmerzliche Verlust in unserem Leben ist wie Sterben, unser Leben ist gespickt mit emotionalen Toden. Im Verlauf unseres Lebens sterben Träume, Vorstellungen, Illusionen – und sie sterben nicht leicht!<br />
So entwickelte ich die Struktur dieser Gruppe. Die intensiven Tagebuchträume meiner jungen Jahre kamen mir zu Hilfe. Es ging mir dabei um die existentielle Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit, Sterben und Tod; und außerdem um die Idee, dass im Verlauf eines inneren Wachstums es ja auch immer wieder darum geht, alte Muster, alte Ängste loszulassen, das heißt sterben zu lassen, um dann, innerlich erneuert, „neu geboren“, das Leben in vertiefter Weise zu genießen, das eigene schöpferische Potential zu entwickeln, sich tiefer fallen zu lassen in der Liebe, dem eigenen Wesenskern näher zu kommen. So kam die Idee des Wiedergeburtsrituals.<br />
Leben, Liebe und Tod sind das einzig wirklich Wichtige in der menschlichen Existenz – was sonst? Um diese Wahrheit zu leben, dafür besuchen die Menschen Tantra-Gruppen – oder andere!<br />
Zu Hilfe kam mir der Umstand, dass ich einen einzigartigen alten Totenschädel aus Bhutan erwerben konnte, der, reichlich mit Silber verziert, angeblich selbst einem tantrischen Meister gehört hatte, als jener noch am Leben war. In einer magischen Tarot-Sitzung fand ich einen Namen für ihn: Tokul. Er führt das ganze Jahr ein „Leben“ im Verborgenen und wird nur für das Todesritual im November herausgeholt. Das Todesritual findet am Abend des zweiten Tages in der Gruppe statt. Während dieser zwei Tage haben sich die Teilnehmer noch einmal tief in den Körper begeben – mit Atmen und Bioenergetik, damit die 36stündige Reise im Bardo nicht durch allzu viel motorische Unruhe gestört wird. Sie haben sich auf das Thema vorbereitet, indem sie sich ganz klar vor Augen führen, welche Ängste vor dem Leben und der Liebe sie sterben lassen wollen – mit aller Inbrunst ihrer Seele, derer sie fähig sind, aus Durst zur Wahrheit ihres Lebens. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es besser ist, eine tiefe Grundangst sterben zu lassen, als eine lange Liste.</p>
<p>Zum Ablauf des Todesrituals:<br />
Der ganze Raum wird abgedunkelt und schwarz geschmückt, alle Teilnehmer und der Staff natürlich auch, sind schwarz gekleidet, die Matten schwarz bezogen. In diesem Ritual sind die Menschen nicht geschmückt oder geschminkt. Zuerst intonieren wir 108-mal ein Mantra gegen die Todesfurcht:</p>
<p>A U M<br />
Surya-putraya vidmahe<br />
Mahakala-ya dhi-mahi<br />
tanno yamah prachodayat</p>
<p>Dann reichen wir statt des üblichen Aphrodisiakums einen bitteren Damiana-Tee, der hilft, wach und aufmerksam zu bleiben. Danach Zu Hilfe kam mir der Umstand, dass ich einen einzigartigen alten Totenschädel aus Bhutan erwerben konnte, der, reichlich mit Silber verziert, angeblich selbst einem tantrischen Meister gehört hatte, als jener noch am Leben war. In einer magischen Tarot-Sitzung fand ich einen Namen für ihn: Tokul. Er führt das ganze Jahr ein „Leben“ im Verborgenen und wird nur für das Todesritual im November herausgeholt. Das Todesritual findet am Abend des zweiten Tages in der Gruppe statt. Während dieser zwei Tage haben sich die Teilnehmer noch einmal tief in den Körper begeben – mit Atmen und Bioenergetik, damit die 36stündige Reise im Bardo nicht durch allzu viel motorische Unruhe gestört wird. Sie haben sich auf das Thema vorbereitet, indem sie sich ganz klar vor Augen führen, welche Ängste vor dem Leben und der Liebe sie sterben lassen wollen – mit aller Inbrunst ihrer Seele, derer sie fähig sind, aus Durst zur Wahrheit ihres Lebens. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es besser ist, eine tiefe Grundangst sterben zu lassen, als eine lange Liste.</p>
<p>Zum Ablauf des Todesrituals:<br />
Der ganze Raum wird abgedunkelt und schwarz geschmückt, alle Teilnehmer und der Staff natürlich auch, sind schwarz gekleidet, die Matten schwarz bezogen. In diesem Ritual sind die Menschen nicht geschmückt oder geschminkt. Zuerst intonieren wir 108-mal ein Mantra gegen die Todesfurcht:</p>
<p>A U M<br />
Surya-putraya vidmahe<br />
Mahakala-ya dhi-mahi<br />
tanno yamah prachodayat</p>
<p>Dann reichen wir statt des üblichen Aphrodisiakums einen bitteren Damiana-Tee, der hilft, wach und aufmerksam zu bleiben. Danach liest jede(r) Teilnehmer(in) von einem mitgebrachten Blatt vor, was er oder sie sterben lassen möchte. Dieses Blatt wird dann zerknüllt in eine Zeremonienschale am Altar gelegt. Sind alle Blätter gesammelt, werden sie rituell verbrannt; symbolisch sehen die Menschen, wie ihre Ängste im geistigen Feuer verbrennen, um Asche zu werden. Dieser Vorgang alleine löst bei manchen einiges aus. Daraufhin strecken sie sich mit einer Augenbinde auf dem Lager aus. Dann lasse ich sie in ihrer Vorstellung ihr zukünftiges Leben durchlaufen: wie sie älter werden, wie ihre Eltern sterben werden, wie sie vielleicht Großeltern werden, wie sie in den Ruhestand treten, wie vielleicht auch Freunde sterben, wie ihre eigenen Kinder auch graue Haare bekommen, bis … … sie sich selbst auf dem Totenbett sehen. Innerlich schauen sie, wer vermutlich an ihrem Totenbett steht.</p>
<p>Dann werden sie gebeten, sich noch einmal, mit verbundenen Augen, aufzusetzen. Nachdem ich ihnen gesagt habe, dass ihnen gleich „ein Freund“ auf die Schulter klopfen wird, kommt Tokuls Erscheinen: die Tempeldiener gehen zu zweit zu jeder Person, eine steht vor ihr und hält den Tokul auf einem Ritualtablett, geheimnisvoll beleuchtet. Bis dahin hat ihn niemand gesehen, er war unter einem schwarzen Tuch verborgen am Altar. Der andere Tempeldiener klopft sachte auf die Schulter und zieht gleichzeitig die Augenbinde hoch: sie blicken symbolisch dem Tod ins Auge. Oft weiten sich die Augen beeindruckt, es tritt noch einmal erhöhte Wachsamkeit ein. Anschließend kommt die Augenbinde wieder an ihren Platz, die Menschen legen sich wieder hin, dann simuliere ich mit Worten und Musik den Sterbeprozess nach dem tibetanischen Totenbuch durch die vier Elemente: die Erfahrung von Hitze, das Gefühl zu verbrennen…, der Körper löst sich auf im Feuer, es wird immer trockener und trockener, ausgedörrt wird die Lebenskraft; dann kommt das Gefühl von Nässe, alles wird dem Gefühl nach feucht<br />
und feuchter, auch kälter, der Körper löst sich in Wasser auf, Körpergefühle werden weggespült, weggeschwemmt. Dann kommt der Wind, er weht überall hin, dringt in jede Pore, alles wird leichter und leichter, porös, das Körperlich wird in alle Himmelsrichtungen getragen, verstreut, aufgelöst in Luft; zuletzt kommt das Gefühl der Schwere, so schwer, dass der Geist sich vom Körper lösen muss, weil er eins wird mit der Erde, aus der er geboren ist, die ihn ernährt und getragen hat, aber auch zu sich zurücknimmt, was sie gegeben hat. Mit den letzten Worten schicke ich ihren Geist symbolisch ins Bardo, in die Welt zwischen Tod und Wiedergeburt.</p>
<p>Dann werden die Lichter gelöscht und die mitgebrachten Ohrstöpsel in die Ohren gesteckt, damit sie in der Folgezeit so wenig wie möglich Geräusche von außen wahrnehmen, und die Menschen bleiben 36 Stunden in ihrem „Grab“. Sie dürfen sitzen oder liegen, aber keine Körperübungen machen, die Augenbinde nicht abziehen. Selbstverständlich sind die ganze Zeit über Tempeldiener im Raum, die die Teilnehmer zur Toilette führen, wenn es nötig ist. Im dunklen Raum machen sich die Bardo-Passagiere mit einem Fingerschnippen bemerkbar, auch wenn sie Durst haben, dann gibt es Kräutertee oder Wasser; oder wenn sie Hunger haben, dann bekommen sie eine Frucht oder einen Müsliriegel. Aber für die Raucher gibt es keine Zigaretten, und wenn es irgendwie geht, auch keinen Dialog mit den Tempeldienern, außer dem nötigsten. Die Idee dahinter ist, für eine extrem lange Zeit keine Sinneseindrücke zu haben, damit der Geist gar nicht anders kann als nach innen zu gehen. Außerdem verwischt sich Tag und Nacht, die Möglichkeit intensiv zu träumen ist da, die Gelegenheit zu meditieren und zu kontemplieren, das Leben an sich an sich vorüber gleiten zu lassen…, sich klar zu machen, dass dieses Leben nicht ewig dauert, dass nicht alles reversibel ist, wovon man es sich wünschen würde, und vor allem eins: dass im Angesicht der Erinnerung an den immerwährend drohenden Tod sich vielleicht die Prioritäten gegenüber dem Alltagsbewusstsein verschieben.<br />
Diese Zeit ist für den Staff auf eine ungewohnte Art, den Rhythmus der Wachen, anstrengend. Natürlich wird auch für die Frauen gesorgt, die menstruieren, oder wenn ein Kranker dabei ist, für die Medikamente. Ich lese in dieser Zeit die Tagebücher, die während der anderen Abschnitte der Jahresgruppe geführt wurden, um die Menschen so gut wie möglich bei der Gestaltung ihres Wiedergeburtsrituals unterstützen zu können, ihren Prozess besser zu verstehen.<br />
Nach 36 Stunden werden die Teilnehmer am Morgen extrem sensibel mit einem Erweckungsritual wieder in die Welt der Sinne geholt: sie werden flüsternd gebeten, sich aufzusetzen, immer noch mit verbundenen Augen. Dann wird jeder Sinn, entsprechend der Reihenfolge der Chakren, nach und nach geweckt. Zuerst wird mit Düften das Riechen stimuliert, dann werden sie mit leckeren kleinen Häppchen gefüttert, das Schmecken erwacht… Danach dürfen sie die Augenbinde abnehmen und schauen als erstes in eine geöffnete Blüte. Wir nehmen dann allmählich die Verdunkelung der Fenster weg. Die Gabe des Sehens wird ganz neu erfahren. Zuletzt werden die Ohrenstöpsel entfernt: Musik ertönt, Klangschalen lassen das Hören nach tagelangem Verstummen der Geräusche wieder zu. Das Leben hat die Menschen wieder. Die Sinne sind ein Geschenk.<br />
Dann Jubel: eine heiße Dusche, ein kräftiges Frühstück.<br />
Was hat jeder im Bardo erlebt? Sonst bin ich kein Freund von langen Sharings, aber dieses ist nötig und auch interessant. Jeder hat etwas anderes erlebt.<br />
Immer wieder ist einer dabei, der die ganze Zeit nur durchgeschlafen hat. So übermüdet und überfordert leben manche Menschen ihr Leben. Manche hätten das Bardo-Experiment gerne noch ausgedehnt.<br />
Andere wieder erfahren eher ein Uterus-Gefühl: es wird für sie gesorgt, sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Viele haben auch die erstrebten Zwischenzustände von Träumen und Meditation erlebt und erzählen davon: ein Schlüssel zu Botschaften des Bewusstseins, mit der Interpretation sind wir aber ganz vorsichtig und versuchen eher, die Botschaft der inneren Bilder auch einmal stehen zu lassen und nicht sofort in verdauliche Verstandeshäppchen umzusetzen. Ein Thema kommt aber auch immer wieder hoch: mit Selbstmordgedanken haben sich offensichtlich irgendwann einmal – meistens während der Pubertät – mehr Menschen schwer getan, als man gemeinhin annimmt.<br />
Ohne die Todesgruppe wäre mir das in der Form nicht aufgefallen. Auch Selbstmorde in der Familie der Betroffenen kommen zur Sprache, andere Todesfälle, meistens die Großeltern: die erste Begegnung mit dem Tod in der Kindheit. Falls ein Elternteil während der Kindheit gestorben ist, kommt noch einmal ein tiefes Berührtsein hoch, aber auch Wut! Ein Kind fühlt sich zu Unrecht verlassen, auch wenn der Vater zum Beispiel an einer schweren Krankheit gestorben ist.<br />
Dann beginnt die Vorbereitung für die Wiedergeburtsrituale. Jeder hat 45 Minuten Zeit, in der ihm oder ihr die ganze Gruppe, der Staff, alle Ritualgegenstände und natürlich Musik zur Verfügung stehen. Mir ist ganz wichtig dabei, dass die Menschen ihre Wiedergeburt selbst gestalten.<br />
Das Tarot wird gefragt: was wäre die sinnvollste Gestaltung für mein Ritual? Da die Karten selbst noch einmal Bilder sind, geben sie oft auch für sie szenische Umsetzung die Idee.<br />
Dann wird der Raum ganz in Weiß geschmückt, wir kleiden uns alle weiß, haben weiße Blumen, richtiges Aphrodisiakum fließt in Strömen für zweieinhalb Tage und Nächte.</p>
<p>Der Inhalt dieser Rituale ist so vielfältig wie die Individualität der Menschen:<br />
kathartisch, erschütternd, sinnlich, wunderschön, ergreifend, erotisch, lustig, traurig, dramatisch, meditativ, erlösend. Der innere Reichtum, der in jedem Menschen steckt, wird sichtbar. Während ich schreibe, treten mir die Tränen in die Augen, während die Bilder aus fünf Jahresgruppen durch mein Herz und mein Gehirn jagen. Keine Gruppe, an der ich je teilgenommen oder assistiert habe oder die ich geleitet habe, hat einen so großen therapeutischen Wert für mich selbst – immer wieder. Wir kommen alle so an unsere Grenzen, Teilnehmer, Staff und ich, lernen so viel über die Menschen und die Höhen und Abgründe des Menschseins!</p>
<p>Viele gestalten den Weg ihres Lebens in einer Art Theater nach, die schlimmsten Qualen der Kindheit werden noch einmal dargestellt. Da senkt sich manchmal atemlose Stille über die Runde:<br />
Wie sich einer selbst gefesselt hat im Kinderbett und Kissen auf die Augen und vor die Ohren gebunden hat, um sich zu schützen vor den Schritten eines elterlichen nächtlichen Bestrafungsrituals, vor sexueller Belästigung, oder vor dem Zwang, onanieren zu wollen. Dann möchte er geboren werden in eine Welt der befreiten, heiligen Sinnlichkeit: alle Frauen streicheln ihn nackt und heißen ihn willkommen in der Welt des Eros.</p>
<p>In manchen Gruppen spielt Tokul eine prominente Rolle bei der Wiedergeburt: er hat zu den Menschen „gesprochen“; d.h. der Tod hatte eine verbale Botschaft für sie: „Lebe, jetzt oder nie! Halte dich nicht auf mit Halbheiten, vergeude dein Leben nicht, es ist kostbar!“ zum Beispiel.<br />
Viele wollen sich aus großer Höhe in die ausgestreckten Arme der Gruppe fallen lassen und dann getragen werden. Viele heilen ihre Verletzungen mit dem anderen Geschlecht. Wonach der Mensch sich sehnt, ob Mann oder Frau, älter oder jünger, Stier, Skorpion oder sonst ein Sternzeichen ist immer wieder ähnlich: „Ich will so geliebt werden, wie ich bin!“<br />
Eines der bewegendsten Rituale war das meines Ex-Partners Hermes, der ein Leben lang homosexuell war und bis dahin noch nie mit einer Frau geschlafen hatte. Er hatte sich gewünscht, dass ein Paar aus der Gruppe seine Zeugung darstellt. Sie sollten sich auf den kleinen Michael freuen und die Schwangerschaft begrüßen – im Unterschied zu seiner realen Geburt: seine Mutter war damals sechzehn, den Vater hat er nie kennen gelernt.<br />
Das Paar simulierte also zu diesem Zweck die sexuelle Vereinigung. Dann spielten sie, dass die Frau die Verhütung vergessen hätte und schwanger sei. Der „Vater“ freute sich. Die „Mutter“ hatte keine Mühe, die Presswehen zu simulieren. Hermes schaute die ganze Zeit zu, und wir gaben unser Bestes, mit Musik und Worten die Geschichte seines Werdens zu unterstützen. Sie „gebar“ ihn also; in diesem Augenblick wollte er sich zwischen ihre Beine legen, mit dem Rücken zuerst. Da ich wusste, dass er sich vor weiblichen Genitalien ekelte, nahm ich ihn in diesem Moment an den Schultern, drehte ihn herum, so dass er die Vagina der Frau sehen musste und sagte: „ Da kommst Du her!“ Die folgende Katharsis war unbeschreiblich. Im sanften Ausklang, nachdem sich alles beruhigt hatte, sollten wir ihm alle etwas Gutes für sein Leben wünschen. Ich wünschte ihm, dass er vielleicht irgendwann einmal genießen könne, mit einer Frau zu schlafen. Dass ich diese Frau sein würde, ja dass er sogar mein Partner werden würde, das war damals nicht zu ahnen… Er wurde als „stinknormaler“ Mann dann noch „geboren“, ja im gewissen Sinne ist dieser Prozess immer noch aktiv, drei Jahre später.</p>
<p>Den Teilnehmern wird dann klar, dass die Reise nie aufhört, dass ein echter Transformationsprozess immer die Qualitäten von Tod und Wiedergeburt hat, aber dieser Gedanke macht keine Angst mehr, sondern einfach Lust auf das Abenteuer des Menschen. Ich habe die Todesgruppe auch für mich selbst in das Programm gesetzt – dadurch werde ich mich einmal im Jahr mit dem Tod konfrontiert.<br />
Letztes Jahr hatte ich eine Vision von mir selbst mit siebzig Jahren, aufrecht immer noch, mit dicken langen Haaren, aber vollkommen ergraut und – eben eine Greisin: ich war erschüttert, die Unerbittlichkeit des Alterns trat erneut in mein Bewusstsein. Wie gerne verdrängen wir doch und denken, vor allem als junge Menschen: sterben ist für die anderen.<br />
„Ein Kadampa-Geshe wurde einmal gefragt: ‚Bitte erkläre uns, welche von allen Übungen die wichtigste ist.’ Er antwortete: ‚Die Meditation über die Unbeständigkeit.’ ‚Warum ist sie so wichtig?’ ‚Zu Beginn verschafft sie uns Zugang zum Dharma (Lehre), in der Mitte beflügelt sie die Praxis; am Ende führt sie zur Vergegenwärtigung der Wesensgleichheit aller Erscheinungen.’<br />
„Die Praxis des Tantra“ von Khetsün Sangpo Rinpoche</p>
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		<title>Sex im Alltag/ Sex im Tantra</title>
		<link>https://advaita-tantra.de/sex-im-alltag-sex-im-tantra/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[AdvaitaBach]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 May 2022 15:12:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tantrisches Kloster mit Advaita Maria Bach &#160;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Tantrisches Kloster mit Advaita Maria Bach</p>
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		<title>Macht und Ohnmacht in der Liebe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[ADT20Master20new]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Apr 2021 08:03:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Macht und Ohnmacht in der Liebe Höre ich diese Worte, so spulen sich in meinem Kopf sofort viele Szenen aus meinem Leben ab und ich fühle viele emotionale Schattierungen….Wer liebt, ist immer ohnmächtig – weil Macht und Liebe verschiedene Werte sind. Die Liebe öffnet sich im Herzen, das sehr verletzlich ist. Wer die Macht sucht,...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1>Macht und Ohnmacht in der Liebe</h1>
<p>Höre ich diese Worte, so spulen sich in meinem Kopf sofort viele Szenen aus meinem Leben ab und ich fühle viele emotionale Schattierungen….Wer liebt, ist immer ohnmächtig – weil Macht und Liebe verschiedene Werte sind. Die Liebe öffnet sich im Herzen, das sehr verletzlich ist. Wer die Macht sucht, panzert sich gegen das Mitgefühl – wie sollte man sie sonst erlangen? Die Liebe ist Du – orientiert, die Macht ist eindeutig Ich – orientiert. Und dennoch ist es nicht immer  richtig, sich für das Du zu entscheiden – egal wie viel wunderbare Liebespoesie uns schon in den Himmel gehoben hat – haben wir auch schon reichlich Abstürze in die Hölle erfahren. Diese Hölle zu erleben hat aber auch ihren Wert. Sie führt in die Tiefe der Seele und die kann daran wachsen – oder sich auch verdunkeln in Hass und Trauer für lange Zeit.</p>
<p>Liebe und Verrat sind nicht zufällig seit Menschengedenken in allen Kulturen tiefe Themen, die niemals enden und von den Künstlern aller Epochen und Stile wurden sie immer wieder aufgegriffen. Ob im Lied, im Gedicht, im Roman, im Film, im Drama – egal in welcher Epoche, vor welchem Hintergrund: dieses Thema betrifft einfach jeden Menschen.</p>
<p>In einer Nacht, vor mehr als fünfzehn Jahren:<br />
Ich war der Wohnung meines Geliebten, morgens um vier. Wir liebten einander leidenschaftlich, suchtartig, geradezu hypnotisiert von der körperlichen Chemie zwischen uns. Die Anziehung war magnetisch, kroch mir unter die Haut, ich war geradezu manisch fixiert auf die sexuelle Hitze, die dieser Mann in mir auslöste, die endlosen Liebesnächte; Zärtlichkeiten, die sich abwechselten mit animalisch guten  Phasen – alle meine Körperzellen waren verrückt nach diesem Mann. Trotzdem stritten wir unaufhörlich; ja, der Ärger und die Wut stimulierten geradezu das Feuer der Vereinigung. Wir waren in seiner kleinen Wohnung, die ich als dreckig empfand ungepflegt, voller Katzengerüche  &#8211; im Gegensatz zu meinem gepflegten tantrischen Tempel mit Sauna und Terrasse. Ich ließ ihn das fühlen mit bösen Worten, ausdrucksstark und voller Verachtung im Klang meiner schneidenden Stimme. Ich wollte schnell zurück in meine duftenden Gefilde, weg aus diesem Loch im Hinterhaus. Obwohl ich genau wusste, daß diese Worte ihn rasend wütend machen würden, sprach ich sie aus, wie unter Zwang. Ich war ohnmächtig mir selbst ausgeliefert, aber es war die Macht der Zerstörung, die ich fühlen wollte.</p>
<p>Es kam, wie es kommen musste: er wurde so unkontrolliert zornig, daß er mich schlug, mit der Faust mitten ins Gesicht. Meine Nase fing an zu bluten, ich erschrak ungeheuerlich, plötzlich war ich voller Angst, daß es noch schlimmer kommen könnte. Ich schrie laut, was ihn noch mehr erregte, wegen der Nachbarn und der nächtlichen Stunde. Also begann ich hemmungslos zu weinen, selbst um mich zu schlagen, ihn noch mehr zu beschimpfen und die Szene eskalierte bis zum nackten Grauen…. Ich ergriff die Flucht, er knallte die Tür hinter mir zu, mit heftigen Flüchen über dieses Teufelsweib, das ihn nie in Ruhe ließ mit ihrer scharfen Zunge.</p>
<p>Nachdem ich zu Hause angekommen war, wurde ich von Konvulsionen der Verzweiflung erfasst – ich ahnte erschüttert, daß es bald vorbei sein würde mit unserer großen Liebe, die im Himmel begonnen hatte. Und ich ahnte, daß diese Nacht keineswegs der Höhepunkt des Leidens war, sondern nur eine Episode in einer  langen Kette von qualvollen Nächten, in denen ich mich nach ihm sehnen würde ohne Ende, schlaflos, traumlos der Realität der endgültigen Trennung ausgeliefert. So geschah es dann auch…ich sollte noch viele Tode sterben, bis ich wieder Ruhe finden konnte oder gar eine neue Beziehung eingehen.</p>
<p>Und doch konnte ich einfach nicht wortlos seine Machtspielchen hinnehmen – ich musste, so kam es mir vor, ich musste einfach aussprechen, was mir nicht gefiel, Sonst hätte ich mich unwürdig gefühlt, abhängig, klein, ein Mäuschen und nicht die stolze Frau, die ich doch in meinen  eigenen Augen war. Und auch in seinen. Machte er mir doch Wahnsinnskomplimente in den Stunden der Harmonie und ekstatischen Liebe. Diese süßen Worte, die ich dann hassen lernte, weil ich immer mehr das Gefühl bekam, daß er sie einsetzte, um mich immer wieder schmelzen zu lassen voller Weichheit und Hingabe, damit ich mich ihm öffnete, alle meine Körper –und Seelentore sperrangelweit und ungeschützt, damit er – so war mein Eindruck – sich als Mann damit brüsten konnte, mich klein zu kriegen. Heulen und Zähneklappern, Orgasmusschreie und Stöhnen – bei uns wackelte die Wand immer, entweder in Ekstase oder Agonie. Wir schlugen Eifersuchtsschlachten, mal in die eine, mal in die andere Richtung. Ein Mal schleuderte ich mit Steinen nach ihm, warf sein Fahrrad in den Swimmingpool, er fesselte mich mit meinen eigenen Haaren an einen Pfahl!</p>
<p>Manchmal auch vor prominenten Zeugen und Kollegen; hatte uns doch meine eigene Lehrerin, Margo, einen große Zukunft voraus gesagt als „juicy Tantra-couple“!</p>
<p>Die größte Verletzung meines Stolzes war, als er meine Tarot &#8211; Karten, mein magisches Medium, einzeln in Mülltonnen in mehreren Dörfern platzierte. Ich fühlte mich so sehr gedemütigt, als ich die Deckel der Mülltonnen hob, in der Hoffnung, sie seien noch darin – ich war an der Grenze dessen, was ich noch aushalten konnte. Dann verkündete er mir am Morgen: „Mein Feuer für Dich ist vollkommen erloschen!!“  Und doch war ich am Abend desselben Tages bereit, nachdem er mich wieder verwirrt hatte mit Süßholzraspeln, in seinen Arme zu sinken, um Sex zu haben bis zum Morgengrauen..jedes Mal, wenn ich dann flüsterte: „Aber du hast doch heute morgen gesagt, du hättest kein Feuer mehr für mich..“, dann stieß er um so heftiger zu, um meinen Mund zu verschließen…und ich war wieder ihm und seiner verdammten Unwiderstehlichkeit ausgeliefert, wofür ich mich dann selbst wieder haßte…</p>
<p>Das hört sich an einfach nur wie Ohnmacht zweier Sex – und Liebessüchtiger, die dahin taumelten im Rausch der Gefühle – aber die waren eben sehr, sehr mächtig..</p>
<p>Von allen Beziehungsdramen meines Lebens ist dieses bis heute unübertroffen an Destruktivität und Intensität. Aber es hatte ja so himmlisch angefangen. Nach zwanzig Jahren Freundschaft war unverhofft die tantrische Leidenschaft entflammt und wir stürzten uns beide ohne jeden Vorbehalt in den alles verschlingenden Schlund des Feuers, das so verzehrend, aber auch so wunderbar war, so lustvoll, so ekstatisch, so unübertroffen von allem, was wir beide bis dahin erlebt hatten – und das war nicht wenig auf beiden Seiten! Wir lebten auch noch eine Dreierbeziehung mit einem anderen Mann, was ich sehr geschickt einfädelte – und die lief bombastisch phantastisch für ein Jahr Leider nur. Aber das ist eine andere Geschichte in der Geschichte..</p>
<p>Der Himmel sah so aus: er warf sich vor mir auf die Knie, küsste meine Füße und sagte mit tiefer, wohlklingender Stimme: „Ich will Dein Sklave sein, der Staub unter deinen Füßen, die Frucht, die Du isst, dein Begleiter, immer an Deiner Seite, ich will das  tantrischen Lager mit dir teilen und dir ungeahntes Vergnügen bereiten, bis Deine Augen strahlen, die Laute der Lust aus deiner Kehle klingen wie der Gesang der Götter, deine Yoni tropft von meinem Saft und du, wenn Du anderen Dingen nachgehst im Alltag, immerzu Sehnsucht nach mir hast und es nicht erwarten kannst wieder in meinen Armen zu liegen, damit unsere Liebeslaute aufsteigen zu Shiva und Shakti und unser Glück wird strahlen und die Welt wird uns zu Füßen liegen..“</p>
<p>Ich war wie bei allem, was in meine  Ohren tropfte wie Honig, auch erschrocken.</p>
<p>Ich sagte: „Bitte, steh auf! Ich will keinen Sklaven. Das wird sich rächen. Ein Sklave und eine Herrin haben keine Liebesbeziehung. Selbst in Ergebenheit wird er sie hassen tief drin, weil er hörig ist und nicht frei! Ich will einen Partner auf Augenhöhe! Nur Gleiche können einander lieben!“ In jenem Augenblick aber war er nicht zu belehren – das Drama war noch weit weg.Bedenkenlos umschlangen sich unsre Seelen und Leiber immer wieder.. Freunde, die uns beide kannten, warnten uns und sagten uns Mord und Totschlag voraus – wir lachten nur in der Selbstgewissheit wahrer Liebender!</p>
<p>Trotz Osho und Tantra und aller Weltenweisheit und psychologischem Wissen, das uns zur Verfügung stand, war unsere Liebe nicht zu retten. Osho und Tantra haben mir dann sehr geholfen die abrupte Trennung  zu verarbeiten und die tausend Tode zu sterben, bis ich wieder bei mir war, bei mir bei mir und nicht mehr immerzu in manischen Gedanken und Gefühlen und dann unerfüllten Sehnsüchten bei ihm, bei ihm, bei ihm…</p>
<p>Die Reichianische Körpertypenlehre half mir dann auch, später, zu analysieren, wieso das alles so kommen musste: ein manipulativer Psychopath und eine Rigide! Wer das Büchlein kennt von Roman Bäurle „Vom Typentrauma zum Traumtypen“, kann dort in kurzen Sätzen nachlesen, wie die unvermeidlichen neurotischen Muster dieser beiden Charaktere wohl eine feurige Beziehung generieren, aber diese Beziehung kann nicht von Dauer sein….</p>
<p>Mit anderen Worten. Unser beider Verletzungen aus der Kindheit waren zu tief, um im Rausch – aber der war ja so schön! – die sensible  Dynamik aus zu tarieren, die nötig gewesen wäre, um dauerhaft auf dieser Ebene zusammen zu bringen. Und diese Verletzungen waren nicht genügend bearbeitet.. Wer im Rausch ist, hat keine Gelassenheit. Ja, und natürlich auch nicht die Ruhe und Vernunft – aber diese Qualitäten hören sich für leidenschaftlich Liebende an wie gähnende Langeweile – oder? Wir sind heute wieder Freunde, auch wenn wir uns selten sehen. Es hat lange gedauert, bis alle Flämmchen des ewigen Argumentierens, der Verletzung, des Feuers, sowohl das der Attraktion als auch des Streits, in mir zur Ruhe gekommen waren. Nie habe ich mich so ohnmächtig gefühlt oder auch so tief in der Liebe oder in der Macht über das Herz eines Mannes. Aber unterm Strich war es destruktiv. Inzwischen konnte ich Frauen helfen, die auch in einer ähnlichen Situation gefangen waren.</p>
<p>Zumindest habe ich getan, wozu der Dalai Lama rät: Wenn du etwas verlierst, dann behalte die Lektion! Es war eine der schmerzhaftesten meines Lebens. Aber ich will ja nicht träumen, sondern erwachen.</p>
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		<title>Tantra und die dunklen Aspekte des Menschen</title>
		<link>https://advaita-tantra.de/tantra-und-die-dunklen-aspekte-des-menschen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[ADT20Master20new]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Mar 2021 09:27:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tantra und die dunklen Aspekte des Menschen Als die Redaktion dieses Magazins bei mir anfragte, ob ich einen Artikel für dieses Special schreiben wolle, waren die Worte sehr typisch: Man hätte gehört, ich sei die Spezialistin für „dunkles Tantra“. Tatsache ist, dass ich mich in meiner Arbeit sehr ausführlich mit den Schattenaspekten der Psyche auseinandersetze....</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1>Tantra und die dunklen Aspekte des Menschen</h1>
<p>Als die Redaktion dieses Magazins bei mir anfragte, ob ich einen Artikel für dieses Special schreiben wolle, waren die Worte sehr typisch: Man hätte gehört, ich sei die Spezialistin für „dunkles Tantra“. Tatsache ist, dass ich mich in meiner Arbeit sehr ausführlich mit den Schattenaspekten der Psyche auseinandersetze.</p>
<p>Aber ich praktiziere „Rotes Tantra“. Das heißt, es findet während der Rituale tatsächlich genitale Sexualität statt – im Unterschied zum „Weißen Tantra“, in dem man die Vereinigung energetisch durch die Praxis der Mudras (Gesten der Hand) und Mantras (heilige Laute) zelebriert. Es gab, vor allem im alten Tibet, tatsächlich auch das „Schwarze Tantra“, das als schwarzmagisch zu verstehen ist. Schwarzmagisch bedeutet, dass diese Form den Zielen des Ego, vor allem der Macht, dient und nicht den egotranszendierenden Kräften der Liebe und der mystischen Erfahrung der Liebe wie das rote und das weiße Tantra. Aber hierzulande, in der Tantra – Seminarszene, kann man diesen „schwarzen“ Aspekt getrost vergessen, er kommt faktisch nicht vor. Shiva sei Dank.</p>
<p>Vielmehr befinden wir uns hier offensichtlich in einem Stadium, in dem Tantra immer häufiger als reine “Liebesschule“ verstanden wird. Dem Teilnehmer wird geholfen, den Genuss zu vermehren, es sich schön zu machen, sexuelle Raffinesse zu lernen oder gar nicht mehr „grobsexuell“ zu werden, sich nur noch energetisch auszutauschen, das heißt feinstofflich. Ob diese Art von Feinstofflichkeit auch wirklich energetisch, das heißt energiegeladen ist, wage ich in manchen Fällen zu bezweifeln.</p>
<p>Tantra ist aber, wie andere spirituelle Pfade auch, ein Weg, der zur Erleuchtung führt. Konfrontiert uns doch schon eine ganz normale Liebe mit den Grenzen des Egos, so doch erst recht die angestrebte mystische Erfahrung der Einheit. Diese Erfahrung wird sehr häufig auch als innere Lichterfahrung definiert.</p>
<p>Wie sollte es möglich sein, tatsächlich in solche innere Dimensionen vorzustoßen ohne Konfrontation mit den Hindernissen in der Psyche, die uns alle begrenzen?</p>
<p>An erster Stelle stehen Traumata aus der Kindheit, die bei sexuell repressiver Erziehung oder gar Missbrauch, Prügeln und extremer Vernachlässigung sehr viele Blockaden hinterlassen: niedriges Selbstwertgefühl, Angst, Einsamkeit, Unfähigkeit zu vertrauen, Orgasmus &#8211; Schwierigkeiten, Potenzschwierigkeiten, Essstörungen, Depressionen, Beziehungsflucht, Beziehungssucht – Unfreiheit  und innere Abhängigkeiten auf jeder nur denkbaren Ebene. Dazu kommen noch die Todesangst, Angst vor Vergänglichkeit, starre Denkkonzepte, übertriebenes Sicherheitsbedürfnis – alles Hindernisse vor dem großen Loslassen in Körper und Seele. Ohne dieses Loslassen ist keine Ekstase und auch die Erleuchtung nicht möglich.</p>
<p>In meinen Augen ist ein Tantra, daß diese Blockaden der Lebensenergie nicht konfrontiert,  kein spiritueller Weg, sondern nur eine Art Freizeitgestaltung.</p>
<p>Ich zitiere im Folgenden Ajit Mokerjee, den indischen Autor, Geschichtswissenschaftler und Sammler tantrischer Objekte, der sehr fundierte Bücher über Tantra geschrieben hat. Ich hatte die Ehre, ihn persönlich 1987 auf Lanzarote bei der „Liebe – Eros – Sexus“ – Konferenz kennen zu lernen und ein großes Ritual mit vielen anderen Helfern und ihm vorzubereiten. Inzwischen ist er verstorben. Die Zitate sind aus dem Buch “The Tantric Way“, 1977.</p>
<p>„Die Annahme, dass das spirituelle Leben ein sanfter, fließender ununterbrochener Strom ist, wird von den Tatsachen Lügen gestraft. Perioden von Sturm und Stress und angsterfüllter Spannung werden in Ritualen kreiert, um Konflikte zu reduzieren und den Schüler an den Punkt zu führen, an dem er über das Karussell der selbstzerstörerischen Ego &#8211; Spielchen hinaus wachsen kann und lernt,  die Widersprüche und Polaritäten seiner eigenen  Persönlichkeit zu akzeptieren.“</p>
<p>&#8230;.und das Herz des Aspiranten selbst wird zur Verbrennungsstätte, Stolz und Selbstsucht, Status und Rolle, Name und Ruhm werden alle zu Asche verbrannt.</p>
<p>Die Anerkennung der zornigen Aspekte des Lebens bringt Schock &#8211; Effekte in verschiedenen Geraden hervor. Die hängen von der individuellen Befindlichkeit und Stärke des Schülers ab, bevor innere Ruhe und Gelassenheit etabliert werden können.</p>
<p>„&#8230;.diese Konfrontationen helfen, die Unterscheidung zwischen Objekten der Attraktion und der Abwehr zu überschreiten und zu erkennen, dass alle Extreme, die Widersprüche des Individuums mit all seinen bewussten und unterbewussten Aspekten, die positiven und negativen Aspekte der Existenz eine unteilbare Einheit bilden.“</p>
<p>Um es kurz zu fassen: wie soll das Bewußtsein die Dualität hinter sich lassen ohne Konfrontation mit ihr? Im Tantra heißt es, direkt durch die Themen zu gehen, nicht außen herum. Das heißt, man berührt Extreme. Läuft dabei immer wieder über das Zentrum, um irgendwann da endgültig anzukommen – jenseits der Wunsch – oder Angstprojektionen.</p>
<p>Tantra, zumindest das linkshändige (d.h. mit körperlicher Vereinigung) ist meiner Meinung nach relativ einfach zu definieren: die Kunst, das sexuelle Feuer zu wecken, zu kanalisieren und ins Ziel zu führen. Wecken heißt: das Feuer darf nicht erstickt sein  oder von Ängsten umgeben; kanalisieren heißt: die Erregung halten und kontrollieren, damit die psychosexuellen Kräfte auch tatsächlich in andere Dimensionen durchbrechen, ins Ziel führen heißt: in spirituelle Erfahrungszustände, letztendlich in die Erleuchtung.</p>
<p>Nehmen wir doch einfach nur den ersten Schritt: das sexuelle Feuer wecken! Ein linkshändiger Tantriker kann ohne eine normale, störungsfreie Sexualität nicht in der Praxis weiter kommen. Wenn man  Tantra ohne die Ausübung der genitalen Sexualität  praktiziert, kann man sich um diesen Punkt drücken, man muss nicht körperlich Farbe bekennen, ob die Vereinigung überhaupt vollziehbar ist.</p>
<p>An diesem Punkt habe ich in der Praxis meiner Seminare bereits mehr als genug zu tun. Sehr viele Männer und Frauen haben sexuelle Störungen, von leicht bis sehr schwerwiegend.</p>
<p>Bei den Männern ist die häufigste Störung die Ejaculatio praecox, der vorschnelle Samenerguss. Oder die Erektionsschwierigkeit. Das ist meistens auf eine sexuell repressive Erziehung zurück zu führen, deren Konsequenzen zu Beginn meistens unterschätzt werden. Selbst bei Menschen, deren Sexualität vordergründig nicht funktionell gestört ist, ist dieser Aspekt doch immer noch mit vielen Schuldgefühlen besetzt, was in den Ritualen, in denen die Sexualität einen sakralen Charakter bekommt, durchaus  nicht ohne Folgen ist.</p>
<p>Bei Frauen ist die häufigste Störung die Schwierigkeit, überhaupt einen Orgasmus zu bekommen.</p>
<p>Die Ursachen sind die gleichen wie bei den Männern.</p>
<p>Also landen wir immer wieder in der Kindheit. 2000 Jahre einer sexuell repressiven Religion plus ein Weltkrieg und der Faschismus mit all seiner Gewalt, auch sexueller Gewalt, haben tiefe Spuren in Seelen und Körpern der Menschen hinterlassen. Und einen versteckten, verdeckten Schaden, über den die Medien wenig schreiben. Unsere Eltern Und Großeltern bekamen nach den ungeheuren Erlebnissen  der Bombennächte, Kriegschauplätze, Kriegsgefangenenlager, Folterungen und Vergewaltigungen  keine Therapie, sondern sie setzten einen Backstein auf den anderen für den Wiederaufbau. Ihre eigenen, ins Unterbewußtsein abgedrängten, agressiven Spannungen bekam immer das schwächste Glied in der  Familie ab. das Kind!</p>
<p>Was ich geade beschreibe, betrifft mein eigenes Leben als auch das Leben vieler Klienten. Die Opfer von damals wurden oft zu Tätern in der eigene Familie.</p>
<p>Die Sexualität und auch die Liebesfähigkeit ist sowohl kollektiv als auch individuell so sehr verletzt, daß meiner Meinung nach eine authentische Tantra – Praxis ohne  Therapie dieser  psychischen Wunden, die sich unsichtbar, aber sehr wohl fühlbar,  auswirken,  nicht möglich ist.</p>
<p>Die Häufigkeit reell stattgefundenen Inzests treibt mir immer wieder Tränen in die Augen, Traurigkeit ins Herz und vermittelt mir die Notwendigkeit, da anzusetzen und nicht beim himmelsstürmenden kosmischen Orgasmus, wenn ein ganz normaler noch nie erlebt wurde.</p>
<p>Die Generation der Großeltern kommt dabei leider häufig nicht gerade gut weg. Manche Großmutter</p>
<p>oder Mutter wurde von Russen vergewaltigt, die Folgen tragen die Kinder und Enkel. An dieser Stelle ist auch bemerkenswert, dass es mehr missbrauchte Männer gibt, als man gemeinhin annimmt. Im Allgemeinen geht man  von geschädigten Frauen aus, aber nicht oder wenig von Männern, die ein solches Erlebnis hatten.</p>
<p>Da gibt es noch die Tatsache der Prügelstrafe  in der Generation der heute 40 – 50 jährigen, die von Alexander Lowen, dem großen alten Mann der Bioenergetik, bei entsprechender Heftigkeit und Häufigkeit auch als sexueller Missbrauch definiert wird.: weil die entsprechenden Körperregionen, meistens das Gesäß, voll ist mit chronischen Muskelspannungen, die  eine normal fließende Sexualität blockieren.</p>
<p>Auch extreme emotionale Vernachlässigung  kommt häufiger vor als angenommen.</p>
<p>All diese Tatsachen: sexuelle Unterdrückung, Erfahrung von Gewalt und  Lieblosigkeit schufen die verdrängten Kindheitstraumata meiner Klienten. Das sind ihre Schattenpunkte. Das sind ihre Depressionen, Trauer und Wut, ihre Dämonen, die ihr Ur -Vertrauen zerstört haben.</p>
<p>Ohne Vertrauen kein Fallenlassen, ohne Fallenlassen gibt es  keinen  Orgasmus, keine Liebe, keine Ekstase, seliges Selbstvergessen, Hingabe.</p>
<p>Ich kann schwer verstehen, wie man eine fundierte tantrische Arbeit machen will, ohne sich dieser  seelischen Verletzungen anzunehmen. Diese Verletzungen sind die Ursache für alte Ängste, die tief im Körper sitzen. Die kann man mit effektiver Bioenergetik freisetzen. Mit anderen durchaus modernen Methoden wie Rebirthing, holotropes Atmen oder Encounter kann man therapeutisch  daran arbeiten, die blockierte Energie ins Fließen zu bringen. Auch habe ich einige Strukturen selbst kreiert, die sehr effektiv den Schatten, das heißt, verdrängte Inhalte, bewusst machen und damit veränderbar.</p>
<p>Der  komplexe Schatten repräsentiert aber nicht nur verdrängte Reaktionen, sondern auch später entwickelte Widerstände, die zur Abwehr der schmerzbesetzten  Gefühle entwickelt wurden.</p>
<p>Wobei es dem tantrischen Verständnis nach nicht darum geht, sogenannte negative Gefühle nie mehr zu haben, sondern sie im Idealfall tatsächlich zu transformieren.</p>
<p>Mit der Arbeit am Herzchakra ist es am ehesten möglich,  Schritt für Schritt den Ballast der Vergangenheit abzuwerfen. Im Tantra sagt man: die Anhaftung an die persönliche Geschichte hinter sich lassen, um frei zu werden von Angst, Ekel, Scham  und Furcht.</p>
<p>Das heißt, die Lebensenergie in ihrer Fülle sich anzueignen, die Ureinheit von Atmung, Bewegung und Stimme  wieder herzustellen., sich die ganze mögliche Lebendigkeit zu eigen zu machen, derer der Körper fähig ist, die ganze Liebe zu leben, nach der das Herz begehrt,  sich der Vergänglichkeit zu stellen,  um damit die große Freiheit von innerer Abhängigkeit  zu erlangen, letztendlich in die Stille einzutreten, jenseits aller Worte, die Kundalini zu wecken. Ein lustbetontes Leben zu leben – eine Lust, die keineswegs „nur“ sexuell ist, sondern auch alle Lebensbereiche umfasst mit all ihrem Sinnenreichtum, ohne im Äußeren zu versinken, die sich dem Reichtum des Inneren zuwendet.</p>
<p>Die diesen Reichtum wieder ins Äußere zurück transportiert als Liebe, als Geduld, als Kreativität, als Mut, als Kraft, die Einheit von Gedanke, Wille und Tat herzustellen. Und natürlich die Rückerinnerung an unseren göttlichen Ursprung als Erkenntnis im eigenen Wesen  als Tatsache zu verankern. Dafür sind die tantrischen Rituale  Tür und Tor.</p>
<p>Noch einmal bemühe ich die Stimmen anderer, um meine Ansicht zu untermauern.</p>
<p>Edward C. Whitmont in  „The Symbolic Quest“ über die Bedeutung der Konfrontation mit dem eigenen Schatten im Werk von C.G.Jung:“..Erst, wenn wir uns selbst sehen, wie wir wirklich sind, anstatt uns zu sehen, wie wir es uns wünschen  zu sein oder hoffnungsvoll annehmen zu sein, können wir den ersten Schritt tun in Richtung einer individuellen Realität.“</p>
<p>Mokerjee  selber über tantrische Praxis: „Ohne die drastische Erfahrung der Desintegration, bedeutet keine Suche nach Integration irgend etwas.“ Osho über die Liebe:“ohne Agonie keine Ekstase..“</p>
<p>Was der Desintegration bedarf, ist das ganze System der charakterbedingten Widerstände.</p>
<p>Charakter ist hier im Sinne von Wilhelm Reich gemeint. Als Summe aller gesammelten Widerstände in Körper und Geist gegen den Strom des Lebens, den Orgasmus –Reflex,  gegen die Liebe, die vielleicht damals versagt wurde aber heute möglich ist. Manchmal starren wir auf die Liebe und die Lust wie das Kaninchen auf die Schlange – aus Gewohnheit, nicht mehr aus Notwendigkeit.</p>
<p>Die Verhärtungen der Seele brauchen einen „Waschgang“, um bloßgelegt zu werden. Die alten Tantriker haben auch kein Ritual praktiziert ohne Reinigungsübungen vorher.</p>
<p>Ich nehme  oft die Metapher, dass die in der Kindheit erworbenen Verhaltensmuster der Abwehr sind wie ein Strampelanzug, den der Erwachsene nicht mehr braucht, weil die alten Bedingungen ja auch nicht mehr existieren.  Raus aus dem seelischen Strampelanzug, rein in das tantrische Ritualgewand!!</p>
<p>Zu viel Angst vor den eigenen Abgründen  schneidet uns die Höhe der ekstatischen Erfahrung ab.</p>
<p>Ohne Tiefe keine Höhe. Ohne ganz lebendig zu sein, wie will ich erleuchtet werden durch die Lebensenergie selbst?  Wie will ich Bewußtsein erlangen über mich selbst, meine Seelenlandschaft, wenn ich etwas ausblenden will, was mich selbst betrifft? Ohne Durst nach Wahrheit über mich selbst, wie will ich in der Wahrheit sein?</p>
<p>Während der letzten Jahre stelle ich ein wachsendes Konsumbewußtsein fest, ein schwindendes Potential der Auseinandersetzung mit sich selbst. Im Seminar wird vermehrt freigestellt, ob die Teilnehmer morgens meditieren wollen: Das wäre Anfang der Achtziger undenkbar gewesen.</p>
<p>Vermehrt wird Tantra eine oft eine Lifestyle –Angelegenheit, eine Art Seelenkosmetik. Manchmal begegnet mir diese Haltung von Outsidern, die sich wundern, dass ich diesen Weg ernst nehme, sehr ernst. Tantra hat teilweise einen schlechten Ruf: den der Seichtheit, der Nähe zum Rotlicht, aber nicht mehr den Ruf eines ernsthaften spirituellen Weges. Das ist sehr schade. Ich frage mich, was die tantrischen Götter dazu meinen?</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Spiritueller Faschismus-gefährlich und häufig nicht erkannt</title>
		<link>https://advaita-tantra.de/spiritueller-faschismus-gefaehrlich-und-haeufig-nicht-erkannt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[AdvaitaBach]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Feb 2021 09:25:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Spiritueller Faschismus-gefährlich und häufig nicht erkannt Heute, im Februar 2021 Den  Beitrag  weiter unten habe ich 2003 geschrieben. Jetzt wurde am 15. 2. Ein Film gezeigt in der ARD: Bhagwan- die Deutschen und der Guru. Ich kenne fast alle Beteiligten und meine Gefühle sind dieselben wie unten geschildert. Siddharta, der Leiter unserer Commune,  ist inzwischen...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://advaita-tantra.de/spiritueller-faschismus-gefaehrlich-und-haeufig-nicht-erkannt/">Spiritueller Faschismus-gefährlich und häufig nicht erkannt</a> erschien zuerst auf <a href="https://advaita-tantra.de">Advaita Tantra</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1><span style="color: #800080;">Spiritueller Faschismus-gefährlich und häufig nicht erkannt</span></h1>
<p>Heute, im Februar 2021<br />
<span style="color: #993366;">Den  Beitrag  weiter unten habe ich 2003 geschrieben. Jetzt wurde am 15. 2. Ein Film gezeigt in der ARD:</span><br />
<span style="color: #993366;">Bhagwan- die Deutschen und der Guru. Ich kenne fast alle Beteiligten und meine Gefühle sind dieselben wie unten geschildert. Siddharta, der Leiter unserer Commune,  ist inzwischen lang verstorben, nachdem eine Restkommune erst in Norddeutschland, dann in Tübingen weiter existiert, aber nicht mit dem alten Esprit! Auch Nura, Fritjofs Gefährtin, ist schon vor Jahren verstorben.</span><br />
<span style="color: #993366;">Aber zum Beispiel das UTA existiert noch, zumindest als Therapieinstitiut</span><br />
<span style="color: #993366;">Mein Schloss, meine Gemeinschaft, das für 100 Erwachsene und dreißig Kinder Heimat und Lebensgrundlage war, wurde dank Sheela und unseren eigen Abteilungsleitern, die obrigkeitshörig waren bis zum Anschlag, aufgelöst, obwohl Sheela keine juristische Person war in dem Zusammenhang.</span><br />
<span style="color: #993366;">Diese Obrigkeitshörigkeit ist doch das Problem, und das ist sie in anderer Form immer noch und überall. Ganz nebenbei wurden nicht nur Gefühle missbraucht, sondern auch sehr viel Geld eingesammelt,  das verloren war für immer und auch da gab es noch nicht ein Mal eine Entschuldigung. Ich kenne Einige, die mehrere Hundertausend DM verloren haben.</span><br />
<span style="color: #993366;">Ist Erleuchtung und Machtpolitik vereinbar?</span><br />
<span style="color: #993366;">Wenn ja, dann brauchen wir nicht unbedingt  jede kleine Äußerung des Lehrers zu nehmen, als wäre sie in Stein gemeißelt. Dann können wir immer noch die Belehrung annehmen , die mit der Meditation zusammenhängt,  sind uns aber ansonsten klar, dass auch der Lehrer ein Mensch ist, der wie andere auch, der Versuchung Macht erlegen sein kann.</span><br />
<span style="color: #993366;">Wenn Machtpolitik und Erleuchtung nicht zusammen gehen, dann war Osho nicht erleuchtet.</span><br />
<span style="color: #993366;">Das Thema ist doch viel breiter: Auch die Yoga-Szene war erschüttert von vielen  Sex-Skandalen; ein indischer Yogi verspricht Heilung von Missbrauchsfolgen durch das Drücken von gewissen Punkten in der Vagina, um dann die Frauen selbst zu missbrauchen; ein chinesischer Geistheiler sammelt Hunderttausende von € ein-verkauft sehr effizient reine Luft, sogenannte „kosmische Downloads“</span><br />
<span style="color: #993366;">Denken wir an „The Man of Wonders“, der 25 Jahre lang kleine Jungs missbraucht hat – und es gibt Anhänger, die  er nicht verloren hat, sondern für die jegliche Nachrichten dieser Art natürlich Fake sind. Elf Auftragsmorde gehen angeblich auf sein Konto.</span><br />
<span style="color: #993366;">Dann gibt es noch die vielen kleinen absoluten spirituellen Herrscher, die nicht die Medienaufmerksamkeit erreichen wie Osho, die aber dennoch mit ihrem absoluten Herrschertum Seelen gefährden und Menschen verwirren, ausnehmen und ausbeuten. Manchmal auch unter der Fassade eines Instituts, das noch nicht ein Mal den Namen des im Hintergrund agierenden „Meisters“ sichtbar macht. Wenn du mit mehr Schuldgefühlen nach  Hause kommst, als du vorher sowieso schon hattest, dann bist du bei den falschen Leuten gelandet. Ich weiß, was es heißt, mit einem Menschen zu arbeiten, der vergiftet ist von Schuldgefühlen, die durch die „Therapie“ noch ins Unermessliche gesteigert wurden.</span><br />
<span style="color: #993366;">Wir hatten ein Verhältnis zur Presse wie Trump –alles Fake!</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Wir waren immer die Opfer von böser Presse, niemals Täter, kein Dialog.</span><br />
<span style="color: #993366;">Ich kann mich gut erinnern an ein großes Meeting in der Kölner Disco – die klopften draußen und wollten rein – ich war dafür, sie reinzulassen, um unsere Dialogbereitschaft zu zeigen.</span><br />
<span style="color: #993366;">Ramateertha war total dagegen und die Presse kam nicht rein. Null Selbstkritik .Null Einsicht: offensichtlich bis heute. He(Osho) can do no wrong..</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Die Einwohner von Antilope waren natürlich unerträgliche Spießer, die Übernahme des Dorfes „vollkommen legal“, vor allem Osho UNFEHLBAR –für Ramateertha  heute noch. Unfassbar.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Wir waren eine Sekte, auch, wenn uns das nicht gefiel:</span><br />
<span style="color: #993366;">Wir waren uniformiert, trugen das Bild des Führers in der Mala, hatten eigene „Ordensnamen“ und natürlich die  Überzeugung, einen Durchblick zu haben, weil unser Meister den hat, den der Rest der Welt hat. Damit waren wir immun gegen jede Kritik von außen und interne Kritiker wurden abgebügelt, degradiert, beleidigt und ausgegrenzt.</span><br />
<span style="color: #993366;">Wir hatten eigene Termini, eine eigene Sprache. Für mich war die Schikane am Ende so unerträglich, dass ich nicht verstand, dass es immer noch Freunde gab, die nicht gehen konnten!</span><br />
<span style="color: #993366;">Bis heute nicht, sie leben irgendwo in den noch existierenden Zentren.</span><br />
<span style="color: #993366;">Wird dort irgendein Programm  angeboten, nicht in die spirituelle Falle zu gehen?</span><br />
<span style="color: #993366;">NATÜRLICH  NICHT. Damit lässt sich kein Geld verdienen.</span><br />
<span style="color: #993366;">Die, die vollkommen abgestürzt sind, spürt kein Filmemacher auf.</span><br />
<span style="color: #993366;">So viel Verblendung und Eigenlob..</span><br />
<span style="color: #993366;">Es ist doch immer wieder die Doktrin von der Unfehlbarkeit – und die transzendiert Osho bei Weitem.&lt;/h</span><br />
<span style="color: #993366;">Es gibt viele kleine  unfehlbare Gurus, die nicht diese breite Öffentlichkeit bekommen und dennoch Menschen zerstören; soziologisch gesehen gehört auch Trump dazu, dem viele Wähler immer noch glauben, dass die Wahl gestohlen sei.</span><br />
<span style="color: #993366;">Es gibt Gruppenleiter, Organisationen, die austretende Mitglieder schikanieren – oder einfach nur unauflösliche Schuldgefühle verteilen. Viele Therapeuten  machen das.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Sehr gefährlich. In einer solchen Gruppe sagt das Über-Ich: der Guru/Füher/Gruppenleiter  ist unfehlbar. Deine eigene Meinung, deine Gedanken stören die Meditation, weil Denken dich forführt in die Falle des Verstandes. Dein Zweifel ist für dich selbst nicht gut. Zweifeln überhaupt ist daneben. Du bist falsch, hier läuft alles richtig.“ Im Grunde wie im Christentum, altes Testament: „Ich bin der Herr dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Tantra mag zwar sagen: ich traue dir, aber du solltest dir selbst auf gar keinen Fall trauen, wenn sich der geringste Zweifel an der Herrlichkeit des Meisters zeigt.“</span><br />
<span style="color: #993366;">Ist wie beim Pabst &#8211; nur die Maskerade wird eine andere.</span><br />
<span style="color: #993366;">Und ich denke, die leidige Diskussion über Fakten und Meinungen muss weitergeführt werden.</span><br />
<span style="color: #993366;">Wenn es zu den Fakten gehört, dass Osho alles wusste, dann hat er eine Verantwortung am vergifteten Wasser, an dem Obdachlosen, der getötet wurde, an den Abhöranlagen, selbst in dem Luxushotel für 250 Dollar die Nacht. Er hat eine Mitverantwortung. Die zu leugnen, rückt ihn in die Nähe korrupter Politiker vom Verhalten her.</span><br />
<span style="color: #993366;">Mit seiner Antwort, die nicht als eine Ausflucht ist, verhält er sich wie alle Psychopathen: abwiegeln, ablenken, den Frager lächerlich machen – nur keine direkte Antwort. Niemals..</span><br />
<span style="color: #993366;">Schaut Euch Bezos, Zuckerberg, Larry Page bei der Befragung durch den Senat an: dieselbe Taktik.</span><br />
<span style="color: #993366;">Was mir auch fehlt bei ihm, ist ein Minimum an Empathie für all die Tausende oder gar Hunderttausende von unterbrochenen Biographien. Von gestohlenen Existenzgrundlagen. Ein Minimum an Empathie, etwas Mitgefühl für all die Hunderte, wenn nicht Tausende, wenn nicht Hunderttausende unterbrochene Biographien, Menschen, die für ihre Hingabe bestraft wurden, nennen wir sie Opfer. Selbst ohne Eingeständnis einer Mitverantwortung, wären ein paar Worte des Mitgefühls für seine Anhänger keine Schande gewesen. Ein Minimum an Empathie für all die Tausende oder gar Hunderttausende unterbrochener Biographien.</span></p>
<p>Spiritueller Faschismus  (2003)<br />
Advaita Maria Bach über ihre Zeit als Schülerin von Adorno und Anhängerin von Osho</p>
<p>Damals, im Jahre 1967 wurde in Hessen gerade der Beginn des Schuljahres umgestellt von Ostern auf den Herbst. Ich hatte in der Oberprima 139 Tage gefehlt und hätte sie aus disziplinarischen Gründen fast wiederholen müssen. So sehr interessierten mich Parties und Männer und auch der Konsum einiger bewusstseinsverändernder Substanzen und so wenig die Schule, die ich als «Instrument des Establishments» verstand. Allerdings waren mein Deutsch- und der Philosophielehrer eine Ausnahme – sie waren progressiv. Das kritische Denken war Teil ihres Unterrichts. Da das verehrte Lehrerkollegium der Ansicht war, dass meine weitere Anwesenheit auf der Schule vielleicht die jungen Männer des nächsten Jahrgangs verderben würde, bekam ich meinen Abschluss und durfte auf die Universität nach Frankfurt.</p>
<p>Der berühmte Theodor Wiesengrund Adorno war mein Professor im Fach Soziologie, Alexander Mitscherlich in der Psychologie. Es waren wilde Jahre – in jeder Hinsicht. An der Frankfurter Uni war der reguläre Studienbetrieb in den beiden Fächern Soziologie und Politologie so gut wie ausser Kraft gesetzt. Ständig gab es Teach-Ins, das heißt, große Versammlungen, in denen wir uns Mühe gaben, den «Muff aus den Talaren» zu vertreiben, zu diskutieren, zu demonstrieren, gegen das Kapital, gegen den Krieg, gegen sexuelle Unterdrückung, gegen das Establishment, gegen die Polizei – «Haut die Bullen flach wie Stullen, in den Betten sind sie Nullen!» gegen die neurotische Kleinfamilie, gegen die Unterdrückung der Frau. Ich war Mitglied im Sozialistischen Deutschen Studentenbund SDS, demonstrierte mit Genossen und Genossinnen, warf Steine auf Banken, hörte mir viele Reden an, druckte nachts Flugblätter, fand die Zeitschrift «konkret» supergeil und war andauernd, wie die anderen auch, mit allem beschäftigt, was die Zeiten so umtrieb.</p>
<p>Allerdings geriet meine genießerische Seite schnell in Konflikt mit meinem politischen Engagement. Denn bei der studentischen Linken galten Freizeitbeschäftigungen wie Sex und Rockkonzerte, der Genuss des heiligen Krauts und jeglicher Selbstfindungstrip als «bourgeois».</p>
<p>So sagte mir zum Beispiel bei einem erotischen Abenteuer ein Anarchist/Leninist: «Wenn wir jetzt vögeln, dann ist das ein gesellschaftlicher Akt!» Das gefiel mir und meinem jugendlichen weiblichen Narzissmus gar nicht. «Na, du steckst aber deinen ganz persönlichen Schwanz in meine ganz persönliche Muschi!», sagte ich. «Du bourgeoise Zicke!», war seine Antwort, woraufhin ich meinte, er möge sich selbst begatten, mich anzog und seine lieblos gestaltete Behausung verließ. In den linken Frauengruppen fühlte ich mich bald auch nicht mehr heimisch, weil ich mich persönlich in keinster Weise unterdrückt fühlte – kam ich doch aus einer Familie mit drei Frauen und nur einem Mann, meinem Vater, der oft ächzte unter der «weiblichen Vorherrschaft von Tampons und BHs». Auch war sexuell mit den linken Genossen nicht viel anzufangen – die Beschäftigung mit «Geschlechtswerkzeugen» erschien ihnen als allzu privat.</p>
<p>Nach einer Weile hatte ich einfach auch Lust zu studieren, meine Scheine zu machen und eben genau das zu tun, wofür ich an die Universität gegangen war. So kam es, dass ich dann immer öfter in der Universitätsbibliothek anzutreffen war – oft der einzige Ort, an dem Studium möglich war, wurden doch die Seminare, die noch stattfanden, dauernd von Demonstrierenden gestört.</p>
<p>Mehr Zeit für Sex und Liebe&lt;</p>
<p>Nach einigen Bekanntschaften mit Polizeiknüppeln, mehrfach knapp einer Verhaftung entgangen, tendierte ich mehr und mehr zu den anderen Außenseitern jener Zeit und ihren Idealen, die doch sehr viel sanftmütiger waren: den Hippies, ihrem Guru Timothy Leary, der freien Liebe. Die hatten mehr Zeit für Sex und Liebe, manchmal schien es, als sei es das einzige, was sie interessierte. Eher unpolitisch, für Evolution statt Revolution, gaben wir uns Träumen hin von einer sexuell befreiten Gesellschaft, von einer friedlichen Welt, dem Wachsen der universellen Liebe aller Menschen zueinander. Damals war ich sexuell äußerst aktiv, polygam, wenn nicht nymphoman, und macht eine Menge Erfahrungen mit Männern meiner Altersklasse – sowohl mit Hippies als auch mit Genossen, die ganz gelegentlich doch auch bereit waren zu so einer unpolitischen Tätigkeit wie Sex.</p>
<p>Die romantische Liebe und der Zwist zwischen Polygamie und Monogamie, zwischen Freiheit und Bindung, sollte mich erst später ereilen. Zwischen allen Stühlen sitzend war es auch eine sehr verwirrende Zeit, bei der mir meine Eltern nicht helfen konnten mit irgendeiner Orientierung – auch meine Schwester nicht, die sehr rigide und karrierebewusst Jura studierte.</p>
<p>Ich folgte meinem Instinkt – übergehe jetzt hier die nächsten zwölf Jahre Ehen und Kinder, Abenteuer, Auslandsaufenthalte – und landete in der «Selbstfindungsecke» bei Osho und den Sannyasins am ersten Festival in Oregon 1982.</p>
<p>Bis dahin hatte ich Sexualität und Liebe in jeder nur denkbaren Form gelebt: Bürgerliche Ehen, aber auch erotische Exzesse oder charmante One-Night-Stands und kleine Affären – keine Variante des Beziehungslebens war mir fremd. Ich war 32 Jahre alt, in einer tiefen Identitätskrise, wusste nicht mehr, wo ich meinen Platz finden sollte. Dort, in Oregon, nahm ich Sannyas, lernte etwas später in Kalifornien Margot Anand Naslednikov kennen, landete beim Tantra, das meinen Lebensweg bis heute zutiefst beeinflussen sollte.</p>
<p>Damals, 1982, vor der AIDS-Hysterie, war das sexuelle Leben der Sannyasins äußerst locker, immer offen für alles, was geschehen konnte. Osho war noch «Sex-Guru», jede Nacht tönte aus den Zelten in der Wüste Oregons unendliches Lustgestöhn. Ich stürzte mich kopfüber in das vielfältige Angebot an attraktiven Männern, erlebte viel Lustvolles, Lustiges, auch Schräges. Das alte Poona habe ich persönlich nicht miterlebt, wusste aber von einer sehr guten Freundin, dass es da noch wilder zu- und hergegangen sein soll. Sie erzählte mir, dass sie einmal aus einer jener alten, wüsten Encounter-Gruppen kam mit einem gebrochenen Nasenbein, blauen Flecken am ganzen Körper und Tripper! Damals gab es beispielsweise auch die Regel noch nicht, dass die Gruppenleitung keinen Sex mit Teilnehmern und Teilnehmerinnen haben sollte – alle vögelten wild durcheinander: Gruppenleitung, Teilnehmer und Teilnehmerinnen, Assistenten und Assistentinnen – auch mit Gewalt ging man nicht gerade zimperlich um.</p>
<p>Das war allerdings in den Siebzigern – heute undenkbar! Osho war damals noch der Meinung, dass alles, wirklich alles, recht ist, um die Menschen aus ihrer Erstarrung zu lösen. Heute haben wir dazu gelernt – aber wir sind auch viel gebremster.</p>
<p>Kurz nach dem Festival zog ich in eine Hundertleute-Kommune mit dreißig Kindern im Schloss Wolfsbrunnen in der Nähe der Zonengrenze, die damals noch existierte. Unsere Kommune hieß «Rajneeshstadt» obwohl wir keine Stadt waren im üblichen Wortsinn. Das Schloss Wolfsbrunnen, so um die neunzig Jahre alt, das Geschenk eines Industriebarons an seine Tochter, war unsere «Stadt». Das Schloss war sehr renovierungsbedürftig, deshalb hatten wir es preiswert erwerben können. Die Reparaturen, vor allem am Dach und an den endlos vielen Fenstern, kosteten zahllose Arbeitsstunden. Margot residierte in einem Turm des Schlosses, der genau sieben Fenster hatte. Die Stimmung dort war magisch – aber sehr zugig!</p>
<p>Wenn abends Kundalini war, lagen bei der Ruhephase hundert Leute zusammen und bald nach dem Gong ergaben sich sexuelle Betätigungen mal hier, mal da, sie läuteten die erotischen Abend- und Nachtaktivitäten ein, teilweise in großen Gruppenschlafräumen, die «Tantratempel» genannt wurden. Wir lebten alle grundsätzlich sexuell sehr offen und aktiv, man gestand verliebten Paaren kaum die Laune zu, vielleicht für eine Weile nur miteinander sein zu wollen. Die ganze Stimmung war noch vom sexuellen Aufbruch der Sechziger bestimmt, wir alle, keineswegs nur die Tantriker und Tantrikerinnen, waren munter und meistens auch vergnügt dabei. Natürlich gab es auch die Schatten der freien Liebe – Eifersucht und Geschlechtskrankheiten. Aber im Großen und Ganzen waren wir überzeugt, dass das der zukunftsweisende sexuelle Lebensstil wäre. Ganz nebenbei gingen auch einige junge Frauen in die Peep-Shows in Frankfurt oder in anderen Großstädten, um Geld für die Kommune zu verdienen – da fand niemand was dabei!</p>
<p>Im Tantra-Turm, bei Margot, wo die Staff wohnte, war auch einiges los. Ihr damaliger Partner, Ariel Kalma, machte sich an fast alle verfügbaren Shaktis in der Kommune heran und es gab Eifersuchts-Szenen ohne Ende. Margot selber fand Gefallen an meinem Liebhaber – der Reigen war unendlich, so schien es. In den riesigen Tantra-Gruppen waren wir oft sehr viele Assistenten und Assistentinnen, manche hatten gar keine Funktion – sie waren einfach nur Lover von irgendeinem anderen Assi!</p>
<p>Dann aber kam das Jahr 1983 und mit ihm AIDS. Von da ab änderte sich vieles schlagartig. Kein Massengefummel mehr nach der Kundalini. Die monogamen Pärchen – inzwischen gehörte ich zu so einem – durften sich im Büro der Ashram-Verwaltung Kondome und Gummihandschuhe geben lassen. Wir sollten sogar mit Gummihandschuhen streicheln. Nach einer Weile waren sogar Zungenküsse verboten, was den Umsatz von Schokolade in Oregon um 150 % steigen liess. Das ganze Klima wurde immer angespannter, Monogamie sei eben einfach gesünder und nicht so gefährlich. Ausserdem seien wir doch eher Meditierende – nicht wahr? Wir entdeckten mehr und mehr die geistigen Qualitäten des Tantra, hatten weniger Partner oder Partnerinnen, arbeiteten bis zum Umfallen, hundert Stunden die Woche waren keine Seltenheit – da kommt man nicht auf dumme Gedanken!</p>
<p>Und Osho schwieg und schwieg&#8230;</p>
<p><strong><em>Das Trauma, machtmissbraucht worden zu sein</em></strong></p>
<p>Tonnenweise wurde Sakrotan zur Desinfektion angewendet in Toiletten und Bidets, das schreckliche «deep cleaning» wurde erfunden und, was das Schlimmste war: Sheela Birnstiehl verwandelte unser Mekka Oregon nach und nach in eine faschistisch regierte Kommune. Es wurde immer unheimlicher, wir wurden sogar getrimmt, keine kritischen Gedanken mehr zu haben! Ich erinnere mich, bei einem Morgen-Meeting gesagt zu haben: «Da halte ich es mit Schiller. Die Gedanken sind frei!»</p>
<p>Ich weiß noch, wie ich bei einem der letzten Festivals in Oregon locker in den hinteren Rängen mit einem Lover herumlag, als Sheela kam und ich die Worte hörte «Cosmic Control»! Ich war sofort hellwach und sagte zu meinem Lover: «Weisst du, es gibt Cosmic Harmony, vielleicht sogar Cosmic Order – aber Cosmic Control? Hier ist etwas faul!»</p>
<p>Die Zeit danach war schrecklich in vielfacher Hinsicht. Unsere Kommune wurde von Sheela aufgelöst. Von damals vierzig Rajneesh -Communes in Deutschland blieben acht bis zehn übrig nach ihren Säuberungen. In unserem Fall war «zu viel Individualismus» der Grund.</p>
<p>Wir wurden auf alle möglichen Kommunen in Deutschland aufgeteilt. Ich kam nach Berlin.</p>
<p>Dort hielt ich es nicht lange aus. Ein mörderisches Arbeitsprogramm, ausbeuterisch und unmenschlich, sollte uns anpassen. Ich wurde immer giftiger und zynischer, bis ich begreifen musste, dass die Zeit in der Kommune vorbei war für mich – bis heute sitzt diese Verletzung meines Idealismus tief in meinem Herzen. Viele wandten sich von der Sannyas-Bewegung ab. Manche sind daran zerbrochen, und niemand hat wieder etwas von ihnen gehört.</p>
<p>Vor einigen Wochen trommelte unser alter Ashram-Leiter, Siddharta, inzwischen in Thüringen ansässig, wo er mit einem kleinen Häuflein Unentwegter weitermacht, soviel von den alten Rajneesh-Städtern zusammen, wie nur möglich war. Ungefähr dreißig kamen von den Hundert. Wir hatten ein Meeting, bei dem wir alle geweint haben und getrauert – damals war nämlich dafür keine Zeit gewesen. Zwanzig Jahre waren vergangen, unsere Tränen aber sehr frisch. Unter dem Strich waren wir uns einig: Im Schloss haben wir gearbeitet, viel und gern, es lief zwar nicht alles richtig – aber wir hatten immer das Gefühl, wir würden für uns arbeiten. Und wenn etwas nicht richtig lief, dann lies es sich ändern. Wir hatten das Gefühl, eine «Family» zu sein. Doch nachdem Sheela uns wegen «zu viel Individualismus» in der Mangel hatte, machte sich bei jedem von uns das Gefühl breit, Teil einer anonymen Maschinerie zu sein. Die meisten sind auch nie wieder, so wie ich, in irgendeine andere Gemeinschaft gezogen. Natürlich war es auch unsere Verantwortung, dass Sheela das mit uns machen konnte. Andere Gemeinschaften haben das Gewitter ihrer Säuberungen überstanden.</p>
<p>Ich, noch immer Schülerin von Adorno, stemmte mich gegen das, was lief und durfte mir dafür in endlosen Variationen anhören, wie negativ mein «mind» sei, wie fett mein Ego und wie ohne Hingabe an den Meister meine Seele!</p>
<p>Was geblieben ist? Lebenslange Hingabe an das Thema Tantra, ein Supertraining in Arbeitsdisziplin und viele Begegnungen mit allen legendären Gruppenleitern und Gruppenleiterinnen der Sannyas-Szene: Teertha, heute Paul Lowe, hat mir damals in Oregon Sannyas gegeben, bei fast allen habe ich einmal assistiert. Entweder in Oregon oder zu Hause, in der Kommune. Dadurch habe ich Seminarleitung von der Pike und in jeder Rolle und unter jedem Aspekt gelernt – auch jenseits von Tantra. Dafür bin ich dankbar. Inzwischen habe ich meine eigene Tantra-Schule gegründet, meinen Stil gefunden, mich durchgesetzt auf dem freien Markt. Margot habe ich seit 1987 nicht mehr gesehen – ich habe gehört, SkyDancing würde heute keine Vereinigungsrituale mehr anbieten. Viele der alten Größen haben ihren bürgerlichen Namen wieder angenommen, wollen sich nicht mehr zu erkennen geben. Was mich stolz macht ist, dass viele Tantriker und Tantrikerinnen, die in der Kommune waren, auch alleine groß geworden sind: Gabrielle St. Clair und Michael Michael Plesse mit Orgoville, Kutira gründete auf Hawaii das Oceanic Tantra Institute, Rahasya Dr. Fritjof Kraft und Nura Anette Mueller blieben lange in Poona, leiten in ganz Europa Gruppen und Trecks im Himalaya, Margot ist einfach sie selbst geblieben und macht immer weiter, ich bin meinen Weg gegangen. Was für ein Potential da versammelt war!</p>
<p>Aber das Trauma, mit all dem Idealismus und der Opferbereitschaft, die da waren, machtmissbraucht worden zu sein – das ist immer noch da, für mich und die, die ich habe weinen sehen. Was mir geblieben ist, ist eine lebenslange Wachheit für ein Phänomen, das mir damals noch gar nicht bekannt war: spiritueller Faschismus. Diese Wachheit ist schmerzlich – dennoch wollte ich sie nie eintauschen gegen eine falsche Idylle.</p>
<p>Das größte Rätsel war für mich damals, wie sich Konformismus einschleichen konnte bei denen, die dem Konformismus der Gesellschaft abgeschworen hatten. Etwas, das ich bei allen Außenseitergruppen beobachtet habe, die eine Abkehr davon auf ihre Fahnen geschrieben hatten, auch bei den Linken und den Hippies. Warum nur, so grüble ich oft, hat der Mensch so eine Sehnsucht danach, in erstarrten Denkmustern stecken zu bleiben? Anstelle der alten Ideologie einfach eine neue zu setzen, nur, um nicht mehr nachdenken zu müssen? Was ist so schlimm daran, wach zu bleiben, lebendig immer wieder neu zu denken, zu leben, zu gestalten? Warum macht das Neue immer Angst und erweckt nicht Neugier, sogar Lust darauf?</p>
<p>Es ist wunderbar, ein Individuum zu sein. Der Preis ist Wachsein! Der Lohn ist ein Leben, das unverwechselbar ist.</p>
<p>Im September 2003 Advaita Maria Bach</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Was ist Tantra?</title>
		<link>https://advaita-tantra.de/was-ist-tantra/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[AdvaitaBach]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Feb 2021 15:08:56 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Geschichte des Tantra beginnt vor 5000 Jahren an den Ufern des Indus, in einer matriarchalischen Kultur. Viele alte Kulte waren Fruchtbarkeitskulte; war  doch das Überleben des Stammes und die Ernährung abhängig von den Früchten des Feldes und des weiblichen Schoßes. Die Weltbevölkerung betrug damals ungefähr 300 Millionen Menschen. Weibliche Gottheiten waren der Ursprung des...</p>
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<p><span style="color: #993366;">Die Geschichte des Tantra beginnt vor 5000 Jahren an den Ufern des Indus, in einer matriarchalischen Kultur. Viele alte Kulte waren Fruchtbarkeitskulte; war  doch das Überleben des Stammes und die Ernährung abhängig von den Früchten des Feldes und des weiblichen Schoßes.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Die Weltbevölkerung betrug damals ungefähr 300 Millionen Menschen.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Weibliche Gottheiten waren der Ursprung des Tantra. Das Tantra entwickelte sich dann zu einer Unterströmung des Hinduismus, manifestiert vor allem in Khajuraho und Konarak. Indem sich eine Priesterin mit der Göttin identifizierte durch ein Ritual, vereinigte sich der Hohepriester, ebenso durch ein</span> <span style="color: #993366;">Ritual mit der männlichen Gottheit gleichgesetzt, mit ihr voller gegenseitiger Verehrung. Diese Vereinigung sollte die himmlische Balance  herstellen, die nach dem Glauben der damaligen Zeit permanent durch Dämonen (Asuras) gestört wurde.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Diese Vereinigung wurde mit yogischen Künsten vollzogen, im Wissen um die Nadis (Energielinien) und die Chakras(Energiewirbel), und sollte das Aufsteigen der Kundalini stimulieren. Jenseits des physischen Körpers gab es genaue Vorstellungen vom feinstofflichen Körper. Die Kundalini ist  wie</span> „<span style="color: #993366;">Schlange“ aus Energie, die  durch die Ausübung spiritueller Praxis  aufsteigt durch die an der Wirbelsäule angeordneten Chakras. Das nennt man „Erleuchtung“.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Wenn wir heute nach dem klassischen Tantra Rituale vollziehen, ist das immer noch der Kern: die Identifikation mit der Gottheit, im tantrischen Buddhismus Yidam genannt. Genau das ist uns der christlichen Lehre  nach verboten. Da werden wir mit der Erbsünde behaftet geboren, sind niemals unschuldig.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Tantra ist eine spirituelle Praxis, die durch Einbeziehung der Sexualität zur Erleuchtung führen soll.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Tantra hat eine Vielzahl bewusstseinserweiternder Meditationen und Methoden – eine sehr großen „Werkzeugkoffer“. Es empfiehlt sich  eine sinnvolle Beschränkung. Keiner kennt ALLE Techniken, weder in alter Zeit noch heute – das ist schlichtweg unmöglich!</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Die Bibel des Tantrikers ist das Vygiana Bhairava Tantra, sehr weise, ausführlich und unübertroffen und unmissverständlich von Osho kommentiert. 112 Meditationstechniken, von denen weniger als dreißig Prozent erotisch-sexuell sind.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Dann gibt es das weiße Tantra oder Kundalini-Yoga, in dem keine geschlechtliche Vereinigung stattfindet, sondern eine der Polaritäten. Yogi Bhajan, inzwischen auch verstorben, war der prominenteste Guru dieser Richtung in der Gegenwart. Die Anhänger schneiden sich die Haare nicht, tragen bei der Praxis weiße Kleidung, praktizieren Mudras (yogische Handhaltungen und Gesten).</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Das Yoga ist dem Hatha-Yoga  verwandt, aber doch recht verschieden. Die Übungen sind sehr dynamisch und anstrengend.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Das sogenannte schwarze Tantra ist auch schwarzmagisch und hauptsächlich der Vermehrung der Macht gewidmet. Mir ist kein zeitgenössischer Guru bekannt. Mit Mudras und Mantras wird auch hier gearbeitet. Die Mantren sind alte Zauberformeln, die angeblich unter anderem auch  einen Gegner töten können. Die Aghoris( indische Wanderheilige), die sich schwarz kleiden, sind sehr mysteriös. Ihnen  ist das schwarze Tantra sicher bekannt. Sie meditieren auch auf Bergen von Schädeln, nehmen bewusstseinserweiternde Substanzen zu sich, praktizieren sexuelle Vereinigung, kommunizieren aber kaum mit Außenstehenden. So weiß man einfach nicht allzu viel über sie.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Ich gehöre zu den roten Tantrikern. Hier findet rituelle Vereinigung statt, mit Mudras und Mantras ist man auch vertraut. Die Identifikation findet mit den „Devas“ statt, den mitfühlenden Gottheiten. Drei große Vereinigungsrituale habe ich entwickelt, in Identifikation mit den drei Hauptgötterpaaren: <strong>Brahma und Saraswati</strong>, der Gott der Schöpfung und die Göttin der Kunst und der Gelehrsamkeit; <strong>Vishnu und Lakshmi, </strong>der Gott der Heilung unf Regeneration und Lakshmi, die Göttin der Harmonie, der Gesundheit und des Wohlstands; <strong>Shiva und Kali,</strong> der Herr der Zerstörung, des Universums und Kali, die dominanteste Powerfrau unter den Dreien.<br />
</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Ein durchlässiger, elastischer  Körper ist hilfreich für die Praxis, dennoch sind wir “ Bhogis“, nicht Yogis. Ein Bhogi ist so etwas wie ein lustbetonter Yogi. Viele Yogaschulen sind eher asketisch und manchmal auch lustfeindlich orientiert.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Es gibt auch Asketen, die sagen, dass das Aufstiegen der Kundalini mit Sexualität gar nicht möglich sei!</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Musik spielt eine große Rolle, auch die Kreation des heiligen Raumes für das jeweilige Ritual, die rituelle Kleidung, die Speisen, die Farben, die Gegenstände.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Im Ritual wird die sexuelle Energie immer kontrolliert, um sie den höheren Chakren, dem höheren Ziel, zuzuführen. Der Mann kontrolliert die Ejakulation, die Frau den Orgasmus. Es werden „Bandhas“ eingesetzt, ein Anspannen der Beckenmuskeln, des Zwerchfells, das Zurückrollen der Zunge, um „den Tiger zu reiten“, das heißt, nicht mit ihm zu gehen oder sich abwerfen zu lassen, im „Feuer des Anfangs“ zu bleiben. Atemtechniken und Mantras unterstützen den Ausübenden dabei, die psychosexuelle Energie immer mehr zu steigern. Wenn alles gelingt, ist die Frucht der Anstrengung ein „kosmisches“ Bewusstsein, das auch nach dem Ritual, Tage, Wochen oder sogar Monate anhalten kann.</span></p>
<p><span style="color: #993366;">Eine solche Praxis ist nur möglich mit sexuell freien Menschen.</span></p>
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		<title>lingam &#8211; consciousness</title>
		<link>https://advaita-tantra.de/lingam-consciousness/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[ADT20Master20new]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Nov 2020 12:23:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>lingam &#8211; consciousness Advaita-Lecture zum 2.Ausbildungsabschnitt 2001 Tantra, insbesondere Advaita-Tantra, geht davon aus, dass in Lingam (und Yoni) letztendlich das kosmische Bewußtsein wohnt. Hier wird davon ausgegangen, dass das Bewußtsein von Lingam (und von der Yoni) umfassend sind, d.h. alle Möglichkeiten der Vereinigung, der Verschmelzung und Erleuchtung bereits in sich tragen. Lingam ist das sensibelste...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1>lingam &#8211; consciousness</h1>
<p><strong>Advaita-Lecture zum 2.Ausbildungsabschnitt 2001</strong></p>
<p>Tantra, insbesondere Advaita-Tantra, geht davon aus, dass in Lingam (und Yoni) letztendlich das kosmische Bewußtsein wohnt. Hier wird davon ausgegangen, dass das Bewußtsein von Lingam (und von der Yoni) umfassend sind, d.h. alle Möglichkeiten der Vereinigung, der Verschmelzung und Erleuchtung bereits in sich tragen. Lingam ist das sensibelste Körperteil des Mannes, ein Organ der Liebe, das Körperorgan, dass ihn befähigt, sich zu vereinigen. Indem der Mann sich mit der Frau vereinigt, vereinigt er sich mit der Welt, mit der Urmutter, und der Mann wird ja auch, wenn er biologisch mit seiner Ejakulation zum Vater wird, zum Schöpfer. Wenn er Vater wird, hat er durch den Liebesakt Teil am schöpferischen Prozeß.</p>
<p>Davon aber einmal abgesehen, geht es hier um die Weisheit des Lingams; von der hat  normalerweise noch kein Mann gehört.  Weil Lingam eine eigene Weisheit hat, entzieht er sich manchmal (aus tantrischer Sicht mit großer Logik) dem Willen des Mannes. Wenn Lingam sich z.B. nicht erheben will, keine Erektion hat, dann hat Lingam kein Vertrauen – und das ist Lingams Weisheit. Sehr häufig ist das Ich des Mannes und sein Selbstbewußtsein jedoch gekoppelt mit dem stehenden Schwanz, als Denkmal seines Egos, seiner Könnerschaft. Und dabei kann es erlösend für den Mann sein, dem Lingam Weisheit zuzugestehen. Manchmal ist Lingam ja auch geil auf eine Frau und bekommt eine Erektion, wo der Mann meint, es passe gerade auch nicht. Lingam erhebt sich auch, wenn das Ich des Mannes es nicht will!</p>
<p>Lingam erhebt sich nicht, wenn das Ego des Mannes es will &#8211; oder es erhebt sich, wenn das Ego des Mannes es nicht will. Das sind Probleme, die haben Frauen in dieser Form nicht – zumindest nicht sichtbar. Und weil es sichtbar ist, sowohl dem Besitzer, als auch der Umwelt, hat es (mehr als bei der Frau die Feuchtigkeit der Yoni) mit seiner Identität und seinem Ich zu tun, seinem Selbstbewußtsein als Mann. Und sehr häufig, vor allem wenn der Mann aus unserem Kulturkreis kommt, ist Herz und stehendes Lingam getrennt, weil Herzenergie und Lingamenergie getrennt sind. Aber das Bewußtsein des Lingams ist in Wahrheit viel mehr mit dem Herzen verbunden, als der normale Mann wahrhaben will. Er macht aus dem Phallus ein Denkmal seines Egos &#8211; und genau das ist Phallus nicht! Phallus ist Organ der Liebe, Ausdrucks des Herzens, ein Denkmal der Verehrung &#8211; nicht ein Denkmal des Egos. Und das ist der ganz erhebliche Unterschied von lingam-consciousness und einem ganz durchschnittlichen männlichen Selbstbewußtsein, das gekoppelt ist an den stehenden Schwanz, der immer erigieren kann, wenn es sein muss. Und Lingam ist vor allem sensibel! Ungeheuer feinfühlig! Mindestens so feinfühlig wie das Herz des Mannes! Das ist ein Gedanke, eine Vorstellungswelt, die für die meisten Männer (und Frauen) total neu ist: das Genital ist so sensibel wie das Herz! Das allersensibelste aller Körperteile.</p>
<p>Lingam und Yoni sind für die Liebe kreiert, für die Seeligkeit der Verschmelzung und vor allem für die tiefe Freude am eigenen Körper. Lebensfreude! Und Lingambewußstsein heißt Vertrauen: wenn z.B. Lingam sich nicht erhebt, vertraue ihm, frage nach, nicht selbstkritisch oder mit verstörtem Ego, sondern einfach „hey Lingam, was steckt dahinter?“. Und wenn er sich erhebt, wo er sich nicht erheben soll, dann frage ihn auch, welche Wahrheit dahinter steckt. Normalerweise wird er sagen „Meine Damen und Herren, die Geilheit treibt mich“. Geilheit ist eigentlich ein diskriminierendes Wort für die Lust, die im Lingam aufsteigt. Tja, da regt sich Lingam in der Hose, wenn sie vorbeigeht, und irgendwie passt es auch nicht rein – welche Weisheit steckt da dahinter? Nicht sagen „hey, du funktionierst nicht, Lingam“. Was auch immer Lingam macht, hat eine Weisheit, ganz egal, ob er sich erhebt oder nicht erhebt. Dahinter steckt ein Ausdruck seines Bewußtseins. Er hat ein eigenes Bewußtsein. Das ist Frauen meist schwerer zu vermitteln, weil die Yoni drinnen im Körper liegt. So sehr ein Teil von ihr, dass der Gedanke, dass Yoni ein eigenes Bewußtsein hat, fast schwieriger ist, als beim Mann, dessen Lingam ja aussen am Körper hängt und dessen Eigenleben hier sichtbar ist. Die Einsicht, dass die Annäherung des Mannes zu seinem Lingam darüber geht, nach der Weisheit von König Lingam zu fragen (und nicht: „wie kriegt das Mann-Alltags-Ich Dich besser in den Griff“) ist lingam-consciousness.</p>
<p>Ja, Lingam ist für Hingabe gemacht! Lingam steht am besten, wenn er sich hingeben will! Und das ist doch eigentlich eine ganz weibliche Eigenschaft. Lingam ist eigentlich eine Yoni! Weil: Lingam braucht Vertrauen, um sich zu erheben und es geht ihm gut, wenn er nett empfangen wird. Vor allem aber steckt hinter der Erektionsfähigkeit Vertrauen. Man denkt oft, Lingam und Yoni seien verschieden, aber –und das sagen die tantrischen Schriften auch-, Lingam und Yoni sind von ihrem Bewusstsein her eins. Beide brauchen Vertrauen zur Liebe: die Yoni, um sich zu öffnen, Lingam, um in seine Kraft zu kommen.</p>
<p>Beim lingam-talk spricht Lingam aus seiner Weisheit, nicht aus dem, wie er zu funktionieren hätte! Und das Paradoxe ist, dass Lingam umso besser funktioniert, je weniger er funktionieren muss. Das ist der Punkt und genau das steht hinter diesem Ansatz.</p>
<p>Die Weisheit von ihr, von ihm, Liebe, Verschmelzung, Hingabe, Aufgabe des Egos, sozusagen der ganze Makrokosmos, alle Weisheit der Welt, ist nicht im Herzen oder im dritten Auge, sondern im Lingam und in der Yoni. Folgen wir ihrer Weisheit, dann ist alle Weisheit des Herzens schon mit einbegriffen!</p>
<p>Für die Yoni gilt das ähnlich, aber es gibt Unterschiede. Die Yoni erhebt sich nicht, Vertauen und Raum braucht sie auch. Aber im Selbstbewußtsein der Frau, für ihr Ego, spielt normalerweise die Größe der Brüste, die Flachheit ihres Bauches und ihr Hüftspeck ungefähr die Rolle, die für den Mann die Erektionsfähigkeit und die Größe seines Schwanzes spielt. Die Größe der Yoni und wie sie aussieht, spielt im Allgemeinen für das Selbstbewußtsein der Frau eine geringere Rolle &#8211; und im Spiel der Geschlechter zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt: bis die Frau die Beine öffnet und der Mann ihre Yoni sieht, ist Lingam schon längst offensichtlich, z.B. unter der Dusche, in der Sauna und Frau kann so schon ihre kleinen Abschätzungen vornehmen. Bis er ihre Yoni sieht und sie danach einschätzt, ist schon viel mehr gelaufen. Natürlich sind auch die Äußerlichkeiten der Yoni für für das Selbsbewußtsein der Frau wichtig, aber trotzdem ist es viel verborgener. Es dauert einfach, bis der Mann da ankommt, auch im Liebesspiel. Bis Frau die Beine öffnet, hat Mann schon ihre Brüste gesehen, ihre Haare, ihre Figur &#8211; klar, Mann hat auch eine Figur, aber das Selbstbewußtsein der Frau hängt da viel mehr dran.</p>
<p>Das Analoge zur erektiven Potenz des Mannes ist die Feuchtigkeit der Yoni, aber es wird nicht soviel Aufhebens gemacht um die Feuchtigkeit der Yoni. Das ist aber praktisch genau der selbe Ausdruck: Yoni ist trocken – will nicht! Lingam steht nicht – will nicht! Man kann ja auch eher drüber weggehen: da gibt’s Gleitcreme, da gibt’s Spucke u.a. (naja, es gibt auch Viagra&#8230;), eine Frau kann es insgesamt viel eher überspielen, vortäuschen. Das Selbstbewußtsein hängt an anderen Sachen als daran, wie feucht die Yoni ist. Daher kann man nicht einfach Lingam gegen Yoni austauschen um die yoni-consciousness zu erhalten. Übereinstimmung und Unterschiede sind subtil. Lingam und Yoni sind zwei Pole, aber eins sind sie in dem Punkt, dass sie beide Vertrauen brauchen um sich hingeben zu können.</p>
<p>Hier wird deutlich, dass Körper und Seele nicht getrennt sind! Sie sind es nicht! Es ist immerzu ein Konzept! Genau an dem genitalen Verhalten des eigenen Körpers kann man sehen, wie integriert man ist. So lange mann/frau sich nicht damit auseinandersetzen, können sie mit den Engeln fliegen, aber wenn sie keinen Orgasmus kriegen, dann sagt Lingam/Yoni: „ich habe kein Vertrauen“. Und die oberen Chakren können so tun, als wären sie ganz ganz offen für die Engelein: „something is not right!“. Wenn die Engel nicht auch in Lingam/Yoni singen können, ist mann/frau nicht integriert! Hingegen, wenn sie nur in der Yoni singen und sonst nirgendwo, ist mann/frau auch nicht integriert!</p>
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		<title>Inzest und Orgasmus‐Störung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[ADT20Master20new]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Jan 2020 14:41:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Inzest und Orgasmus‐Störung Ursprünglich hieß dieser Artikel „Inzest und Orgasmus‐Störung“. Es war der erste Artikel, der je von mir erschienen ist, in der Zeitschrift „Connection“, ungefähr im Jahr 1990. Unter dem Titel „Ohne Wurzeln keine Blüte“ wurde er titelgebend für meine zwei Bücher, heute erhältlich bei amazon. Leider hat er an Aktualität nichts eingebüßt. Nach...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1>Inzest und Orgasmus‐Störung</h1>
<p>Ursprünglich hieß dieser Artikel <span style="color: #870000;"><strong><em>„Inzest und Orgasmus‐Störung“</em></strong></span>. Es war der erste Artikel, der je von mir erschienen ist, in der Zeitschrift „Connection“, ungefähr im Jahr 1990. Unter dem Titel „Ohne Wurzeln keine Blüte“ wurde er titelgebend für meine zwei Bücher, heute erhältlich bei amazon. Leider hat er an Aktualität nichts eingebüßt. Nach den Missbrauchsskandalen in der katholischen und der protestantischen Kirche, in der linken Szene (!), bei der Reformpädagogik (Odenwaldschule), in Erziehungsheimen, ist das Thema endlich in einer breiteren Öffentlichkeit angekommen. Der Haupttatort ist aber nach wie vor die Familie. Ich wäre sehr daran interessiert, wenn du mir schreibst, wie du dich von den geschilderten Szenarios und berührt fühlst und ob sie dich nachdenklich machen.</p>
<p>Ein schwarzes Thema, das wir lieber meiden, verschweigen, verdrängen. Opfer und Täter tun das gleichermaßen und die Gesellschaft unterstützt sie dabei.<br />
Advaita, die selbst als Kind diese Erfahrung gemacht hat, arbeitet heute als Therapeutin mit betroffenen Frauen und Männern. Sie schildert das Inzesttabu und seine Folgen.</p>
<p>Wir sind alle Töchter und Söhne von Müttern und Vätern. Diese Bedingung ist ausreichend, um mit dem Thema Inzest, zumindest potentiell, konfrontiert zu sein.<br />
Es geht hier um etwas Dunkles. Dunkel deshalb, weil zu wenig darüber geredet wird. Er geschieht dauernd – und zweifellos viel häufiger, als in irgendwelchen  Gerichtsakten je zutage treten wird: der Inzest, die „blutschänderische“ Beziehung, die sexuelle Interaktion zwischen Vater und Tochter, zwischen Mutter und Sohn, zwischen Bruder und Schwester. Die Betroffenen, Täter wie Opfer, tragen eine schwere Last: innere Isolation, Selbsthass, Schuldbewusstsein, Versagerängste.</p>
<p>Vor allem die Opfer verwenden einen großen Teil Energiepotential darauf, das Geschehene zu verdrängen. Das ist dann der Fall, wenn das Ereignis in der frühen Kindheit geschah. Die Verdrängung kann allerdings nie ganz gelingen – dafür wird das Opfer unter Umständen ein ganzes Leben lang von unbewussten Angst und Hassreaktionen in seiner Beziehung zum anderen Geschlecht gehemmt. Wie viel Hass zwischen den Geschlechtern, wie viel Unverständnis, wie viel mangelndes Mitgefühl, wie viel Erbarmungslosigkeit aus unverarbeiteten Inzesterlebnissen kommt, darüber gibt es keine Statistik. Normalerweise hilft die ganze Umwelt den Betroffenen, zu vergessen und sich ja nicht zu erinnern: das vielleicht schwärzeste Kapitel unserer allgemein unterdrückten Sexualität würde eine „Schande“ ungeahnten Ausmaßes ans Tageslicht bringen. Wir haben Angst vor Strafe, oder vor dem ungläubigen Entsetzen, das uns droht, wenn wir die Wahrheit<br />
sagen über eine Inzesthandlung, die wir passiv erlitten, oder vielleicht sogar aktiv eingeleitet haben. Die Tabuzone um dieses Thema ist hermetisch: VERBOTEN!!! steht darüber.</p>
<p>Eltern missbrauchen ihre Kinder in vielerlei Aspekten. Der sexuelle Missbrauch beschädigt die Einheit von Körper und Seele am tiefsten, weil er die Integrität von Körper und Psyche an der Wurzel bedroht. Neurotische, an Körper und Seele liebesunfähige Menschen sind das Ergebnis. Sie geben ihrerseits ihre ungelösten Probleme an ihre Kinder weiter, und so fort…</p>
<h3>DAS HÄSSLICHE GESICHT DER VERLOGENHEIT:<br />
VATI BEKOMMT EINEN ROTEN KOPF</h3>
<p>Im Rahmen meiner Tantra-Gruppen ist mir das Thema unerwartet häufig begegnet. Viele Frauen haben Orgasmusstörungen, wenn sie von einem männlichen Penis penetriert werden. Bei Selbstbefriedigung haben sie einen Orgasmus, mit dem Mann aber nicht. Fas immer steckt sexueller Missbrauch hinter einem solchen Tatbestand. Die Frau kann sich mit dem Mann nicht fallen lassen, sie hat kein Vertrauen. Der Inzest hat immer heimlich stattgefunden, es wurde nie darüber  geredet.</p>
<p>Manchmal hat die Mutter auch versteckte oder offene Hilferufe des kleinen Mädchens ignoriert. Der Missbrauch muss aus der Ecke des Unsagbaren herausgeholt, die vorhandene Versuchung muss eingestanden werden. Dann kann ihr auch eher widerstanden werden. Ein ignorierter Tatbestand kann dagegen wie ein heimliches Gift wirken.</p>
<p>Vom Gesichtspunkt der möglichen, missgebildeten Nachkommenschaft her ist das Tabu gerechtfertigt, daher ist es wahrscheinlich auch entstanden. Hier geht es aber nicht um die Kinder, die aus Inzesthandlungen entstehen können, sondern um Seelenqual. Da wirkt das Tabu zerstörerisch. In der intimen Enge des Familienlebens kann die Versuchung eigentlich immer entstehen. Über die Versuchung muss mehr gesprochen werden – und dass sie möglich ist, muss wahrgenommen und akzeptiert werden.</p>
<p>Zum Beispiel: Vater und Töchterchen sind zusammen in der Badewanne. Papi bekommt eine Erektion. Vielleicht bekommt er darüber einen roten Kopf, aber er redet in Ruhe mit seiner Tochter darüber. Er redet auch mit seiner Frau darüber, aber er kommt im Traum nicht auf den Gedanken, einen Geschlechtsakt folgen zu lassen! Weil er sieht und fühlt, dass ein Akt zwischen einem großen, ausgewachsenen Mann und einem kleinen Mädchen auf keinen Fall anliegt! Das wäre der Idealfall, den ich mir vorstelle. In einem moralischen Klima aber, in dem allein die Versuchung schon strafwürdig ist, wird der Vater noch nicht einmal dazu stehen, geschweige denn sich darüber austauschen könnenmit irgend jemand, der ihm nahe steht. Jeder wird ihn sofort mit Entsetzen betrachten. Häufig kommt die Tatsache hinzu, dass die Ehe der Eltern erotisch nicht befriedigend ist. Der Mann weiß natürlich auch, dass seine Frau eifersüchtig sein wird, wenn sie weiß, dass er die Tochter begehrt. Die Tochter gerät vielleicht in dieses Spiel zwischen den Eltern, meistens in der ödipalen Phase zwischen vier und sechs Jahren. Die Tochter hat dann natürlich auch deswegen noch Schuldgefühle der Mutter gegenüber, weil sie Mama nicht wehtun will. Wenn die Ehe der Eltern stimmt, laufen diese Spiele tiefenpsychologisch auch ab, können aber keinen Keil treiben zwischen Mutter und Tochter, zwischen Mann und Frau. Wie wichtig ist es doch für das Universum des Kindes, dass es zwischen den Eltern stimmt! Wie selten ist das aber der Fall. Auf dem Rücken der Kinder wird alles Unstimmige, kollektiver wie persönlicher Natur, ausgetragen.</p>
<p>Da wir alle einmal Kinder waren, werden diese Widersprüche durch uns manifestiert. Als Individuen müssen und können wir sie lösen. Das Kollektiv ist immer träger als das Individuum, aber ein befreites Individuum wirkt auch auf die Gesellschaft zurück. Alle Lösung kommt zuerst von innen.<br />
Doch zurück zur Inzestproblematik. Der sexuelle Missbrauch von Müttern an ihren Söhnen ist anderer, viel subtilerer Natur. Die Gefahr von Verletzungen<br />
körperlicher Art ist aus rein biologischen Gründen durch den Akt allein ausgeschlossen. Aber manche Frau mag versucht sein, mit ihrem Söhnchen zu „spielen“, was sie sich und anderen aber noch weniger eingestehen wird als ihr Mann. Tatsächlich kommt diese Form von Missbrauch seltener vor als zwischen Vater und Tochter, aber bei Millionen allein erziehender Mütter liegt die Dunkelziffer auch entsprechend hoch. Sexueller Missbrauch nimmt leider zu, was den Missbrauch des Sohnes durch die Mutter betrifft, steigt langsam erst die therapeutische Sensibilität. Wie viele Söhne für die Fehler des Vaters büßen mussten, weil die Mutter an ihnen ihren Männerhass ablassen konnte – auch darüber gibt es keine genaue Statistik. Die Zahl der betroffenen Frauen ist nach wie vor Legion.</p>
<p><strong>ICH WAR NEUN…“</strong><br />
Ich war neun Jahre alt, als Vati es das erste Mal ausprobierte. (So glaubte ich beim Schreiben dieses Artikels noch, 1990. Heute, 1994, weiß ich es besser: der erste Missbrauch war bereits mit vier Jahren, als meine Mutter das erste Mal in die Psychiatrie eingewiesen wurde!) Ich trug ein weißes, weiß-blau kariertes Nachthemd, als er kam. Er war betrunken. Ich wusste gar nicht so recht, was mit ihm los war. Er flüsterte auf merkwürdig erregte Weise, verschloss mir den Mund mit der Hand und befriedigte sich in mir. Er war stark genug, mich festzuhalten, aber nicht groß genug, mich körperlich zu verletzen. Ich bekam ein halbes Jahr später, mit neun Jahren, die Menstruation! Dieses sehr frühe Einsetzen der Periode schreibe ich heute diesem Ereignis zu. Die Frage, die sich stellt, ist: wieso können diese Männer der Versuchung nicht widerstehen? Von den Kindern wird schon oft früh verlangt, allen möglichen Versuchungen zu widerstehen – basiert unsere ganze Zivilisation doch auf Triebkontrolle. Die ganze widerliche Verlogenheit, die krankmachende Verrücktheit unserer Gesellschaft zeigt bei diesem Thema ihr wahres Gesicht, das unvorstellbar hässlich ist. Blicken wir diesem verkrampften, entstellten Gesicht ins Auge: Es ist das Gesicht der unterdrückten Sexualität überhaupt.</p>
<p>Warum ist die Unterdrückung der Sexualität so verheerend? Warum hat sie so destruktive Folgen? Es geht nicht um ein bisschen abgeklemmt Lust, es geht um viel mehr! An dieser Stelle muss ich ein etwas ausholen. Vom Gorilla unterscheiden uns genetisch ganze zwei Prozent, zwei sehr wichtige Prozent, zweifellos. Unsere körper- und lustverneinende Kultur versucht aber, die restlichen 98% zu unterdrücken. Oder: unsere Kultur hat ein schizophrenes Verhältnis zur Lust. Einfach lustverneinend kann man sie beim schwindenden Einfluss der religiösen Moral nicht mehr nennen. In der Zeit des sexuellen Exhibitionismus und der sexuellen Werbestrategien ist dennoch ein ungestörtes Liebesleben nicht selbstverständlich – leider. Im Tantra wird der animalische Anteil des Menschen anerkannt, kultiviert und energetisch kreativ genutzt, zur Erreichung einer größeren Einheit des Menschen mit sich selbst. Unsere Gesellschaft trennt die Lust, und sie führt ein – manchmal monströses – Eigenleben. Mal unterschwellig, das ist hier unser Thema, mal überschwellig.</p>
<p><strong>WIR LIEBEN EUCH, ABER…</strong><br />
Ein Baum kann ohne Wurzeln, die zweifellos in dunklen, feuchten Erdreich liegen, keinen Stamm, keine Zweige, keine Blätter und erst recht keine Blüten entwickeln! Das ist es aber, was die triebunterdrückten Kulturen versuchen: die menschliche Blüte zu entwickeln, ohne ihre Wurzel zu pflegen. Shiva sei Dank, sind die Wurzeln stark! Aber monströs genug sind die Resultate des Versuchs, die Wurzeln abzuschneiden. Man stelle sich vor, wir würden zu den Bäumen im Wald sagen: wir lieben euch, aber eure Wurzeln, die würden wir euch gerne verbieten!</p>
<p>Für ein Kind waren und sind autosexuelle Handlungen weitgehend verboten. „Onanie erweicht das Rückenmark und macht geisteskrank.“ Meine Generation kennt solche schrecklichen Ammenmärchen noch gut aus der Kindheit. Die Störung der Autosexualität ist die erste Entfremdung vom eigenen Körper. Das Kind darf seinen eigenen Körper nicht experimentell, spielerisch, lustvoll berühren und erforschen, darf ihn selten straffrei einfach in seinen schönen Empfindungen genießen. Schuld schiebt sich zwischen das Kind und seinen Körper. Hier beginnt die Kette der Unterdrückung, die Erwachsene erzeugt, die ihre Beherrschung verlieren.Seit 12 Jahren arbeite ich mit Tantra-Gruppen und bemerke immer wieder, dass viele Frauen Orgasmusstörungen haben. Viele erzählen beim Erfahrungsaustausch, dass sie wiederum einige Freundinnen hätten, für die es ganz normal sein, mit dem Penis in der Vagina nicht zum Orgasmus zu kommen. Diese Frauen kommen zum Orgasmus durch Masturbieren, mit dem Vibrator, der Dusche oder anderen Hilfsmitteln, das heißt, diese Frauen sind nicht generell orgasmusunfähig. Nur wenn der Mann in ihnen steckt, kann sich die sexuelle Spannung nicht in einem Orgasmus lösen.</p>
<p><strong>EKEL</strong><br />
Im weiteren Verlauf meiner Arbeit fand ich heraus, dass offensichtlich alle Frauen, die orgasmusgestört sind, als Kind missbraucht wurden. Zumindest fast alle, die mir erlaubt haben, mit ihnen gemeinsam die Ursache ihrer Konditionen zu erforschen. Das missbrauchte Kind, häufiger das Mädchen, ekelt sich unter Umständen ein Leben lang vor Sex, vor Regionen des eigenen Körpers, vor Männern überhaupt. Die erwachsene Frau hat Orgasmusstörungen, diverse Unterleibskrankheiten, vielleicht chronisch, ist emotional gespalten, kann nie eindeutig ja sagen zum Mann, auch wenn sie ihn noch so sehr liebt. So mancher Mann mag sich um sie bemühen, voll mit Schuldgefühlen über die eigene Unfähigkeit als Liebhaber!</p>
<p>Sie kann sich nicht hingeben, weder dem Mann noch sich selbst. Auch der missbrauchte Junge wird die Weiber hassen, wenn er groß ist. Und wieder ist mehr Feindschaft und Missverstehen in der Welt zwischen Mann und Frau. Man könnte einwenden, der Orgasmus sei doch nicht das Wichtigste. Natürlich ist der Orgasmus nicht das A und O in der Liebe; sich auf den Orgasmus zu fixieren ist wieder eine ganz andere Sache. Nur, wenn eine Frau oder ein Mann Schwierigkeiten damit hat, dann ist das eine Störung ihrer oder seiner normalen Funktionen! Pinkeln ist für mich auch nicht das A und das O des Lebens, aber wenn ich nicht urinieren kann aus psychischen Gründen, dann ist das eine Störung. Niemand käme auf den Gedanken, das nicht so zu bezeichnen. Die Störung der Orgasmusfunktion zeigt an, dass was im Busch ist! Aber der Orgasmus ist nicht so lebenswichtig wie eine funktionierende Blase, deshalb wird eine Orgasmusstörung häufig nicht so dringend bewertet, sogar von Therapeuten.</p>
<p>In Tantra-Büchern lese ich und in internationalen Talkshows höre ich immer wieder, dass eine Orgasmusunfähigkeit der Frau sozusagen auf ihre Anatomie zurückzuführen sein, dass es nur auf die richtige Stellung und das „Gewusstwie“ ankomme! Eine solche Ignoranz von Seiten der Sexualtherapeuten ist nicht selten. Die meisten Frauen haben schon alle denkbaren Stellungen ausprobiert. Ihr Liebhaber oder Ehemann hat sich im Allgemeinen schon redlich Mühe<br />
gegeben. Es ist wegen ihres Misstrauens, dass sie sich nicht in den Prozess des Orgasmus hinein entspannen können. Es gibt Statistiken, die besagen, dass 40 Prozent der Frauen in Deutschland orgasmusgestört sind. Im Verlauf meiner Arbeit kam ich zu dem Schluss, dass eine prüde, lustfeindliche Erziehung allein nicht ausreicht, eine Orgasmusstörung zu bewirken. Wenn ich gründlich nachfragte und alle therapeutischen Mittel anwandte, um der Sache auf die Spur zu<br />
kommen, dann stellte sich eigentlich immer heraus, dass eine Traumatisierung vorlag, eine tief greifende Verletzung seelischer oder körperlicher Art. Noch wage ich es nicht, es als erwiesen anzusehen, dass jede orgasmusgestörte Frau ein Inzestopfer ist. Aber mit jedem Fall wächst mein Verdacht, dass es so ist. Es gibt auch noch einen anderen Aspekt der Geschichte: Frauen, die Inzestopfer sind, so wie ich, die aber gar keine Orgasmusstörung in dem Sinne haben. Ihr Männerhass ist versteckter, zeigt sich dann nur in einer langen Reihe von in Frustration endender Beziehungen. Solche Frauen sind mit dem Aggressor identifiziert, empfinden sich nicht als Opfer, machen aber dann den Mann zum Opfer ihres Misstrauens, aus unbewussten Mechanismen heraus. Solche Frauen finden selten in eine Therapie, sie finden nur ihre schlechte Meinung von den Männern immer wieder bestätigt.</p>
<p>Meine Entwicklung sah so aus: zwischen dreizehn und zwanzig ließ ich buchstäblich keinen Schwanz aus, der an mir vorbeiging. Später, während der Therapie fand ich heraus, warum ich so sehr die Männerfresserin herausgekehrt hatte. Es war meine Methode, mich an den Männern zu rächen. Nach Benutzung: ex und hopp. Aus Angst vor Gewalt wurde ich lieber selber „gewalttätig“. Bei vielen Frauen, die mit einem Mann frühe Übertritte erlebt haben, bleibt eine Unbarmherzigkeit mit den Schwächen des Mannes, die nur darauf wartet, dass er sich entlarvt, eine Humorlosigkeit, die verständlich wird, wenn die Betroffene ihre frühe Verletzung bloßlegt.</p>
<p>Da viele Männer in meine Praxis kommen, habe ich auch schon viele traurige Männer gesehen, die einfach nicht die dauernde Abweisung durch eine Frau verstehen können. Wie oft mag Inzest der Grund sein?</p>
<p><strong>WIDERLICHE TANTEN</strong><br />
Bei Frauen, deren Störung sehr früh liegt, ist das Ereignis häufig total verdrängt. Meistens ist ihr Urvertrauen in das Leben und in sich selbst geknickt, von Orgasmusstörungen einmal ganz abgesehen. Jedes Kind möchte Vertrauen haben und wenn der eigene Vati seinem Töchterchen Gewalt antut, dann sind Misstrauen und Männerhass die notwendige Folge. Das stimmt natürlich genauso für Mutter und Sohn. Das Mädchen oder der Junge lernt, sich selbst nicht zu trauen, die eigene Lust als etwas Schmutziges zu empfinden. Eine gute Portion Selbsthass kommt dazu. Welcher Mann hat nicht die Geschichten von widerlichen Tanten, die ihn als kleinen Jungen angesabbert haben? Subtile Gewalt von verklemmten weiblichen Verwandten ergießt sich bei jeder Familienfeier auf den<br />
Kleinen. Wenn in der Therapie ein Inzestereignis hochkommt, passiert es häufig, dass die oder der Betroffene schnell geneigt ist, die eigene Erinnerung als Phantasiegebilde zu denunzieren. Bevor das Denkmal Vati oder Mutti stürzen soll, werden lieber die eigenen Bilder verneint, die das eigene Unbewusste hochschwemmt. Das Tabu erschwert es ungeheuerlich, dass die Betroffenen sich selber trauen. Die Teilnahme an einer tabuisierten Handlung wird selbst vom Opfer als schuldhaft erfahren und auch von der Umwelt so interpretiert.</p>
<p><strong>DER AUGENBLICK DER WAHRHEIT</strong><br />
Vor einigen Jahren kam eine junge Frau zu mir, die unter Vaginismus litt. Das ist die schwerste Form der Orgasmusstörung, die es überhaupt gibt. Die Vagina zieht sich so stark zusammen, dass es für den Penis ganz unmöglich ist, einzudringen. Annemarie und ich arbeiteten sehr intensiv an der Sache. Sie war sehr motiviert. Nach einem halben Jahr kam in der Sitzung die Wahrheit hoch: Vergewaltigung durch den Vater im Alter von vier Jahren oder noch etwas früher. Nach dieser Sitzung hatte sie es eiliger als sonst, wegzukommen. Sie wollte es nicht glauben. Drei Tage später brannte ihre Wohnung ab. Da hatte sie erst einmal einen Grund, die Therapie abzubrechen. Sie ist bis heute nicht wiedergekommen, und sie hat auch keinen anderen Therapeuten aufgesucht, um ihre Konditionierung zu verändern. Eine andere Form der Verdrängung ist die Flucht auf höhere Ebenen. Ingrid, eine Lehrerin knapp über dreißig, sagte mit Augen voller Tränen während ihrer ersten Tantra-Gruppe, dass ihre Sehnsucht unerfüllbar sei, die Sehnsucht nach einer harmonischen Beziehung zum Mann. Dies sei wohl nur möglich auf einer ganz hohen Ebene mit dem, der ihre Dualseele sei. So voller Unverständnis und Enttäuschungen seien ihre bisherigen Erfahrungen. Auch sie hat Orgasmusstörungen. Ekel und Abwehrgefühle, die sie mitten im Liebesspiel überkommen, machen eine befriedigende Vereinigung unmöglich. (Heute, vier Jahre später, lebt sie immer noch allein und sucht in vergangenen Leben nach der Ursache ihrer Verweigerung. Sie hatte während der Therapie eine Menge sexueller Träume, die immer eindeutiger wurden. Der Vater zeigte sich im Traum unverhüllt als sexuelle Bezugsperson. Mir fiel auf, dass sie schnell dazu neigte,<br />
sich selbst zu kritisieren. Nach außen von starken Aggressionshemmungen geprägt, wollte sie möglichst selbst für alles verantwortlich sein.</p>
<p><strong>EIN KIND IST UNSCHULDIG</strong><br />
Diese Wahrheit, dass wir selbst für alles verantwortlich sind, hat sich inzwischen auf der esoterischen Szene so weit herumgesprochen, dass sie – vorschnell für sich vereinnahmt – manchmal verhindert, dass Verdrängtes aufgedeckt wird; vor allem verdrängte Hassgefühle. Das Opfer möchte nicht in Kontakt kommen mit frühkindlichen Situationen des Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit. Dort schlummert dann der Männerhass völlig unentdeckt. An der Oberfläche sieht es aus wie Schicksal, dass die Frau eben keinen Mann findet oder ihre Dualseele. Sie hat auch keine hässlichen Gefühle, sie ist edel und spürt ihren letzten Leben nach. Dass sie ihre Sexualität kaum lebt, stört nach ein paar Jahren immer weniger. Für Inzestgeschädigte finde ich den üblichen Ansatz der Reinkarnationstherapie (das tiefe Akzeptieren der Geburtsbedingungen als durch ein Vorleben bedingt) ganz falsch. Erstens wird keine Reinkarnationssitzung eine Orgasmusstörung beheben. Körperliche Symptome müssen immer auch körperlich bearbeitet werden, das ist meine Erfahrung.</p>
<p>Zweitens sagt dieser Ansatz dem Menschen, dass er oder sie sich quasi den Missbrauch ausgesucht hat, ist doch dieses Leben eine Konsequenz, wenn auch auf der unbewussten Ebene, aus einem vergangenen Leben. Das heißt, ich bin als Opfer schuld an der Tat des Täters, denn ich habe ihn mit in mein Karma gezogen, und ich habe ihn vielleicht im letzten Leben selber verletzt! Kein guter Ansatz, um Selbstbewusstsein und eine gesunde Sexualität bei Betroffenen zu fördern. Sinn und Nutzen der Reinkarnationstherapie auf feinstofflichen Ebenen mögen dahingestellt sein, für eine reel grobstofflich körperlich Betroffene ist es zunächst einmal das falsche Mittel – in meinen Augen. In meiner Primärgruppe werden Bilder, die nicht aus diesem Leben zu kommen scheinen, als Projektionen behandelt. So kann man immer noch damit arbeiten, weil die subjektive Realität des Betroffenen nicht bezweifelt wird. Dennoch wollen wir dieses Leben in den Griff kriegen, dieses kostbare, jetzige Leben. Da ist es manchmal ganz gut, davon auszugehen, es sei das einzige! Das erhöht die Dringlichkeit, an sich zu arbeiten.<br />
Vor allem Hassgefühle auf eine sehr reelle Person, die mir in diesem Leben begegnet ist, vielleicht sogar mein Vater, Großvater, Onkel oder Bruder, brauche ich nicht zu aktivieren, wenn ich selbst verantwortlich bin. Ein kleines Kind ist NICHT verantwortlich für einen sexuellen Übergriff, selbst dann nicht, wenn es angeblich diesen sexuellen Kontakt in kindlicher Unschuld selbst wollte. Selbst dann nicht, wenn es sogar eine Art Lustgewinn hatte. So ist es für manche Betroffene erst einmal wichtig, überhaupt die Tatsache anzunehmen, wie sehr sie durch den Übergriff geformt wurden in ihrer ganzen Persönlichkeit, um sich dann Schritt für Schritt die volle Verantwortung für ihr Leben anzueignen und vom Opfer zum Schöpfer ihres Lebens zu werden. Mit dem Aufarbeiten der verdrängten<br />
Aggressionen wird der Mensch im Allgemeinen vitaler, kratziger, unbequemer für die Umwelt, aber eben auch lebendiger und lustvoller. Zurück zu Ingrid. Eine inzestuöse Misshandlung wurde auf besonders gemeine Weise verhindert. In einer Sitzung erlebte Ingrid besonders stark die Verbindung von Hass und Lust in ihr selbst.</p>
<p><strong>SCHATTENTANZ</strong><br />
Ich habe eine Struktur entwickelt, den Schattentanz, die ganz effektiv ins Bewusstsein holt, was Du nicht wahrhaben willst. In diesem Fall entpuppte sich der Schatten als ein grausamer Vergewaltiger, an dessen Phantasie sie selbst teilhatte. Bei einigen Inzestopfern hat der Schatten die Form eines Schlundes, der alles verschlingt, oder aus dem heraus eine schreckliche, dunkle Gefahr droht. Wenn das erste tief greifende sexuelle Erlebnis ein Missbrauch ist, verbunden mit Gewalt, dann bleibt für das Unbewusste die Prägung, dass Lust und Gewalt zusammengehören. Angst, Hass und Befriedigung verschmelzen zu einer unheilvollen Symbiose: entweder versagen sich die Betroffenen Lust und Befriedigung ganz oder sie müssen den, der ihnen Befriedigung verschaffen will, bestrafen. Sie bestrafen sich selbst, falls sie einmal unverhofft Befriedigung finden; oder die Gefühle des erwachsenen Inzestopfers schwanken dauernd zwischen Lust und Ekel, zwischen Liebe und Abneigung, häufig ganz unerklärlich für die Person selbst. Das verwirrt sie und den Partner. Wie oft haben Partnerprobleme mit unbewältigten Projektionen aus der Kindheit zu tun! Dieses unvorhersehbare Umschwenken der Gefühle zeigt sich bei allen orgasmusgestörten Frauen, die ich kenne. Beide<br />
wollen beides. Wie oft ist das alte Klischee zu hören, dass der Mann immer nur ficken will? Wie oft mag diese Aussage von einer inzestgestörten Frau kommen, die zu ihrer eigenen Lust keinen Zugang mehr hat, weil Papi oder auch Brüderchen das mal wollte? Wie oft wird sie aufgrund ihrer Prägung dann einen solchen Ficker<br />
kennen lernen, der ihr Muster dann voll bestätigt? Angeblich wollen Frauen immer Liebe und die Männer Sex. Ich weiß: beide wollen beides! Nur hat der Mann aufgrund seiner Biologie immer mehr Hitze vom Fleck weg. Das macht es ihm viel schwerer als der Frau, den Sex wegzudrücken. Männer onanieren viel häufiger als Frauen. Der triebgestaute Mann denkt oft an nichts Anderes mehr als daran, die Frau rumzukriegen. Weil er weiß, dass er geradeheraus nicht ankommt, macht er alle möglichen Verbiegungen und Umwege, die die Frau aber intuitiv fühlt und ihn ablehnt: er ist schmierig in seiner Ausstrahlung. Wie viele Pappies haben umsonst um Sex gebeten, und die eigene Frau hat sie abgewiesen mit zehntausend Ausreden, von den Nachbarn über die Periode bis zur Migräne? Wie viele solcher Pappies wählen dann den Weg, die wehrlose Tochter im wahrsten Sinne des Wortes anzustechen? Wie viele Mütter haben ihren Töchtern mitgegeben, dass der Mann immer nur das Eine will? Dass man als Frau besser auf der Hut ist vor denen? Wie viele Mütter inzestgeschädigt sind, wird wohl immer im Dunklen bleiben.</p>
<p>Während einer Zehn-Tages-Gruppe zeigten sich viele vermutete und unvermutete Ungeheuerlichkeiten: eine Sechzigjährige (!) fand heraus, dass sie mit fünf Jahren vom Vater vergewaltigt worden war. Er hatte sie dabei an den Beinen festgehalten. Sie hatte ihr ganzes Leben lang starke Schmerzen in den Beinen gehabt. Bei ihren Körperbau fiel auch auf, dass die Beine besonders dünn waren im Verhältnis zum Rumpf. Außerdem hatte sie ihr ganzes Leben lang große<br />
Probleme mit ihrem Mann und auch ihrem Sohn, der heute noch unter der neurotischen Struktur seiner Mutter leidet. Ein älterer Mann, früher Pfarrer, stellte fest, dass er als Vierjähriger von der eigenen Mutter erotisch befummelt wurde. Der Vater kam dazu und fand Wege, seine Macht dem kleinen Ödipus zu zeigen… Und so ließe sich die Kette der Fallgeschichten fortsetzen bis übermorgen. Für einen frustrierten und triebgestauten Mann scheint das kleine Mädchen zwischen vier und sechs Jahren einen ungeheuren Reiz zu haben. Warum ist das so? Das kleine Mädchen und auch der kleine Junge sind noch Unschuldige und sie haben einen Schmelz, der die Eltern an etwas erinnert, das sie als Erwachsene aufgegeben haben zu suchen. Dieser Abglanz des Göttlichen, den die eigene Frau schon lange nicht mehr hat und er selbst genauso wenig. Er, der Vater, der Vater hat nie eine erwachsene Frau in echter, sinnlicher Blüte gesehen, oder, wenn er sie gesehen hat, war sie für ihn unerreichbar. Das Kind kann sich nicht wehren, ansonsten ist er sowieso schon kastriert von der ewig nörgelnden Frau. Warum geht er nicht ins Bordell oder onaniert oder nimmt sich eine Geliebte? Ich habe die absurde Vermutung, dass es der Versuch ist, sich mit der göttlichen Unschuld des Kindes zu vereinigen, um so selbst ihrer teilhaftig zu werden. Anstatt den göttlichen Funken in sich selbst zu wecken, versucht der aktive Elternteil, durch sexuelle<br />
Vereinigung mit dem Kind seine Impotenz mit erwachsenen Partnern auszugleichen.</p>
<p>Doch das Gegenteil wird erreicht: die Unschuld des Kindes ist zerstört. Neuer Krampf, neue Qual ist geboren. Soviel Dunkel, soviel Unglück, das ein ganzes Leben verderben kann. Selbst betroffen von der Büchse der Pandora, die ich geöffnet hatte, frage ich mich, was da wohl zur Heilung beitragen kann? Erstens: ein gründlicher Primärprozess ist nötig, ein Konzept, das sich speziell mit der sexuellen Prägung auseinandersetzt. In kürzeren Gruppen kommt es oft nicht so weit, dass diese tabuisierten und verschütteten Ereignisse hochkommen. Wenn die Wurzel verdorben ist, muss eine Wurzelbehandlung vorgenommen werden! Damit von der Wurzel her die Liebe zwischen Mann und Frau geheilt werden kann. Gibt es Wichtigeres auf der Erde? Mir erscheinen alle Probleme auf der Welt als Folge dieses zentralen Nicht-Zueinanderstehen-Könnens von Mann und Frau.</p>
<p>Weit davon entfernt, die Eltern oder die Männer als Opfer anzuprangern, sehe ich uns alle &#8211; Vater, Mutter, Kind &#8211; seit Generationen als unterdrückte, ängstliche Wesen, die sich in einem Teufelskreis des Unbewussten drehen und über sich selbst nichts wissen. Der Bannkreis der Unterdrückung: die Unterdrückung des Körpers, der Lust, der Sexualität, und damit die Eigenständigkeit des Kindes! Laut Freud, und da hat er zweifellos recht, erzeugt jede Verdrängung neurotische<br />
Zwangshandlungen. Und als solche ist der Inzest wohl anzusehen. Tief in uns ist die Sehnsucht, dass da noch etwas anderes sein muss als Neurose, die immer wieder nur neue Neurose zeugt. Und dieses Wissen hat recht. Das Wissen aber, wie wir diese Sehnsucht erfüllen können, ist weitgehend verloren gegangen.</p>
<p><strong>SCHEISSE MIT HIMBEERSOSSE</strong><br />
Ein richtiger Mann, eine richtige Frau zu sein, wird uns heute nirgends vorgelebt. Wir müssen es suchen, das Mann-Sein und das Frau-Sein, es muss verdient werden. Es gibt viel Arbeit am Verdorbenen. Deshalb muss auch die Arbeit im Tantra mit dem Verdorbenen beginnen. Mit einer orgasmusgestörten Frau ein wunderbares Ritual zu machen, wird sie sicher anregen, aber selten grundlegend befreien von ihrer Konditionierung. In Tantra-Ritualen habe ich häufig erlebt, dass Männer und Frauen Angst bekommen, wenn man es zunächst nicht vermuten sollte: beim Ausziehen oder Ausgezogenwerden. Oder der Anblick eines erigierten Penis lässt kalten Schweiß ausbrechen, selbst in einer geschützten Atmosphäre, in der Mann nicht aktiv werden darf. Unsere Aufgabe ist es, Schichten um Schichten von Angst, Hass und Ekel, vererbt seit Generationen, abzulösen, damit der göttliche Kern auch wirklich zum Vorschein kommt. Eine inzestgeschädigte, orgasmusgestörte Frau wird nur schwerlich den göttlichen Funken Shivas im Mann erkennen können. Ein Mann, der die Frau aus dem Unbewussten heraus hasst, weil seine unterdrückte Mutter ihn als Kind zwanghaft abgeknutscht und überwältigt hat, wird kaum zur Verehrung Shaktis bereit sein. Angst und Hass und Ekel werden das unmöglich machen.</p>
<p><strong>TIEFE GRÄBEN</strong><br />
Der tantrische Ansatz kann uns nun generell helfen, die Lust zu befreien, sieht Tantra doch in der Sexualität als dem Ursprung unseres Lebens etwas Heiliges, Verehrungswürdiges. Doch was kann uns Tantra bei der Bewältigung solcher Traumata sagen? Für mich ist die Botschaft, das Hier und Jetzt zu betreten und durch Schulung der sinnlichen Wahrnehmung mehr und mehr das Gestern gestern sein zu lassen. Es gibt ganz einfache Wahrnehmungsrituale, die man auch alleine durchführen kann, und durch die auf einfache Weise der Bezug zum Körper wahrgenommen und verändert werden kann. Solange eindeutige körperliche und seelische Blockaden die Menschen behindern, kommen wir ohne die Aufdeckung des Verdrängten nicht aus, das heißt, wir müssen erst einmal den analytischen Ansatz benutzen. Und der Ansatz bleibt analytisch, auch wenn wir körperbetont arbeiten, um die verdrängten Gefühle zu befreien. Manchmal reicht die Erkenntnis der Verdrängung, manchmal ändert sie aber auch nichts am Verhalten.</p>
<p>Wenn ein Fluss jahrzehntelang in einen Graben fließt, dann ist der Graben tief, und um den Fluss umzulenken, bedarf es der Motivation, auch wirklich neue Gräben zu graben. Meditation ist da unerlässlich, um nach und nach die Identifikation mit der Opferrolle aufzuheben – und um neue Freuden des Körpers und des Geistes zu entdecken. Die Vielfalt des Tantra bietet sich an wie ein Garten. Männer und Frauen suchen häufig verzweifelt den Zugang zu ihrem Körper, zu ihrer  Liebesfähigkeit – und das hat nichts mit Techniken zu tun. Tantra vereint Himmel und Erde in den liebenden Menschen. Hier und Jetzt, auf dieser Erde, nicht übermorgen und nicht im Jenseits.</p>
<p><em>Advaita Maria Bach 1990</em></p>
<p><em>Die Redaktion kürzte damals ein ganzes Kapitel über Freud. Freud hatte eine berühmte Patientin, Anna, </em><em>die von ihrem Vater missbraucht wurde. Dieser Vater war sehr gut befreundet mit Freud. </em><em>Als der MIssbrauch in der Analyse hochkam, glaubte Freud ihr nicht und verwies ihre Gefühle und Bilder </em><em>in den Bereich der  sogenannten „Wunschprojektion“!!! Freud rettete so seine Freundschaft mit dem Vater, </em><em>Anna blieb in der Psychiatrie. Irren ist menschlich—für Anna die Tragödie  ihres Lebens: Analyse erfolgreich, </em><em>Ergebnis unerwünscht.</em></p>
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		<title>Verehrung statt Unterwerfung</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Jan 2020 14:13:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Verehrung statt Unterwerfung „Bestrafe mich, deine  Größe macht mich klein, du darfst mein Bestrafer sein…. Schließ mich ein in dein Gebet, bevor der Wind noch kälter weht, du sagst ja, ich denke nein,… du darfst mein Bestrafer sein…“ &#8211; Rammstein, CD „Sehnsucht“- Immer wieder begegnet mir das Thema, vor allem in meinen Körpertherapie –Seminaren, die...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1>Verehrung statt Unterwerfung</h1>
<p><strong><em>„Bestrafe mich, deine  Größe macht mich klein, du darfst mein Bestrafer sein….</em></strong></p>
<p><strong><em>Schließ mich ein in dein Gebet, bevor der Wind noch kälter weht, du sagst ja, ich denke nein,…</em></strong></p>
<p><strong><em>du darfst mein Bestrafer sein…“</em></strong></p>
<p>&#8211; Rammstein, CD „Sehnsucht“-</p>
<p>Immer wieder begegnet mir das Thema, vor allem in meinen Körpertherapie –Seminaren, die die Teilnehmer im tantrischen Rahmen bei mir als Teil der Jahresgruppe durchlaufen. Ein Mal auch privat als Vergangenheit eines Partners und zunehmend auch als Tendenz/Dekor in genau diesem Magazin.</p>
<p>Viele Menschen, mehr als man denken sollte, haben die Neigung, sich zu sexuell erregenden Zwecken erniedrigen und körperlich quälen zu lassen. Da wird kunstvoll geschlagen, werden Gewichte an die Brustwarzen gehängt, Körperteile mit Stacheldraht umwickelt, heißes Wachs auf  die Haut geträufelt, werden die Hände an das Bett oder eine Eisenstange gefesselt, die Hoden abgebunden, es wird gepeitscht mit der neunschwänzigen Katze oder dem Rohrstock, ein Eisenstab wird in den Anus eingeführt, man setzt sich auf dornige Stangen oder lässt sich von einem vermummten Mann mit Ledermaske in ein vollkommen verdunkeltes Zimmer führen und prügeln …Oder es werden erwachsene Menschen in Ledermaske an einer Leine geführt wie ein Hund und getreten und immer wieder auch verbal gedemütigt.(Siehe der Song „Bück dich“,  und „Küss mich“ auch von Rammstein auf derselben CD).</p>
<p>Die Studios der Dominas haben jede Ausrüstung, die auch einem mittelalterlichen Folterkeller Ehre machen würde – mit Streckbank bitteschön.  Aber natürlich riecht es besser, ist sehr sauber, ja sogar elegant. Weil alles freiwillig geschieht, wird teuer bezahlt und das Geschehen  wird zum Lustgewinn inszeniert.</p>
<p>Es wird auch immer versichert, dass alles sehr kunstvoll gemacht wird, sodass ein Kunde niemals eine Verletzung davon trägt. Es wird auf die Grenze geachtet – bevor ein Hämatom entsteht oder gar Blut fließen würde – außer, der Kunde wünscht sich das anders!</p>
<p>In Frankfurt verzeichnen die Studios einen erstaunlichen Anstieg ihres Umsatzes, was das „Frankfurt Journal“,</p>
<p>eine Stadtzeitung und Programmzeitschrift, vor einigen Wochen zu dem Titelblatt „Schmerz am Main“ inspirierte. Da ist ein Businessmann mit Anzug und Krawatte zu sehen, der von einer elegant in engem Korsett gekleideten Domina Schlips gepackt wird – er schaut erwartungsvoll zu ihr auf. Sie ist übergroß und er darf klein sein.</p>
<p>Viele Menschen haben sexuell gefärbte Gewaltphantasien, die sie nie ausleben. Diese Vorstellungen und Alb-oder Wunschträume bleiben in ihren Gedanken, werden versteckt vor den Mitmenschen, vor allem dem Partner, und werden nicht ausagiert, bleiben in der Tabuzone. Die Szene brüste sich damit, aus dieser als kleinbürgerlich verschrieenen Tabuzone ausgebrochen zu sein und es gilt als schick, auszuleben, was sich so ein Spießer eben nicht traut. Es werden neurotische Zwangshandlungen verfestigt und die tiefe Verletzung dahinter wurde verdrängt -so weit ins Unbewusste, dass die Ursache der Verquickung von Schmerz und Lust nicht mehr realisiert wird. Dies behaupte ich nicht leichtfertig, sondern als Therapeutin, die keinerlei moralisierende Sicht auf das Phänomen hat. Im Verlauf der Jahrzehnte gibt es viele Teilnehmergeschichten, die eine SM Historie haben. Speziell durch die von mir  entwickelte Schattenarbeit kommen diese dunklen Seiten in der frühkindlichen Biographie ans Tageslicht. Wenn diese Teilnehmer in der Arbeit bleiben, verliert SM den Kick, weil sie die Ursachen emotional verstehen und diese Art der Befriedigung nicht weiter verfolgen wollen und weil sie eine andere Art der tiefen Befriedigung erleben: tantrische Sexualität.</p>
<p>Ich bin  selbst keine Insiderin, da ich nie den Wunsch verspürte, auf diese Weise dominieren zu lernen oder gar die Kunst der Hingabe. Ich weiß auch, dass SM ein sehr komplexes Phänomen ist. Diese Komplexität kann hier nicht gewürdigt werden.</p>
<p>Hier ein kleines Zitat von der Seite „Datenschlag“ im Netz:</p>
<p><strong>„Geschichte</strong></p>
<p>Vor der Pathologisierung des SM durch Krafft-Ebing (1886/1997) galt SM weder als Krankheit noch als Sünde (Bullough &amp; Bullough 1977). Verhalten, das wir als SM bezeichnen würden, kam ganz allgemein in uralten Hochzeitsritualen vor (Kokkoka 1150/1965; Nefzawi 1400/1964; Vatsysayana 450/1964). Im späten fünfzehnten Jahrhundert erschien der erste unzweideutige Bericht über SM, und zwar eher als medizinisches Kuriosum denn als Problem (zitiert in Ellis 1936). Andere, in ähnlicher Weise verfasste Fallstudien folgten, aber SM wurde noch immer eher als Kuriosum denn als Krankheit gesehen. Während es SM-Verhalten bereits vor dem fünfzehnten Jahrhundert gab, enthalten historische Berichte nicht ausreichend Informationen, um eindeutig festzustellen, ob dieses Verhalten einvernehmlich und/oder zu erotischen Zwecken erfolgte.“</p>
<p>Verwunderlich ist für mich der vorsichtige Ton und die Verwunderung der Psychologen, woher denn dieses Verhalten wohl  kommen könnte. Jedes Jahr bin ich immer wieder erstaunt, wie viele  Menschen Schläge bekommen haben in der Kindheit, obwohl sich das Klientel verjüngt. Es ist auch vollkommen üblich, die Wirkung der Schläge herunter zu spielen. Der Satz:“Es hat mir nicht geschadet.“ ist unausweichlich der Begleiter bei dieser Auskunft. Dazu kommt der immer noch weitgehend unterschätzte frühkindliche Missbrauch, vor allem, wenn man, wie der Bioenergetiker Alexander Lowen, Prügel auf den nackten Hintern dazu zählt. Seine Begründung: diese Körperregion wird durch häufigen Schmerz betäubt. Außerdem bedeutet der Anblick eines süßen Kinderpos oft sexuelle Erregung für den „Erzieher“. Das Kind bekommt das unter Umständen intuitiv mit. Dann kommt noch hinzu, dass es auch schon im Säuglingsalter, beim Wickeln durch gefühlskalte und sadistische Mütter oder andere Erziehungspersonen  zu ruppigen Berührungen der zarten Genitalien kommen kann,  die die Sensibilität zerstören und das Empfinden betäuben. Zusätzlich kommt es vor, dass kleine Kinder bei der Sauberkeitserziehung an den Genitalien manipuliert/stimuliert  werden oder sogar misshandelt: Bisse in den Po, Tritte in die Schamgegend und Schläge auf die Genitalien, auch anale Penetration sind leider nicht vollkommen unüblich. Wer so früh den unmittelbaren Zusammenhang von Lust und Schmerz kennen lernt, der kann später nicht oder schwer unterscheiden. Im Stammhirn, wo alles abgespeichert wird, auch als frühes Nervenreaktionsmuster, was später nicht mehr ins Frontalgehirn durchdringt, werden die Impulse gelegt für späteres Verhalten.</p>
<p>Da sich später niemand daran erinnern kann, wird dieser Umgang mit den lustspendenden Organen vergessen, ist aber als Verhaltensprogramm etabliert. Wer sich darüber informieren will, wie das funktioniert, der lese „Am Anfang war Erziehung“ von Alice Miller.</p>
<p>Grundsätzlich komme ich auch von der Körpertypenlehre von Wilhelm Reich, deren grundsätzliche Stimmigkeit ich immer wieder feststelle. Demnach wären vor allem der Maso und der Psychopath auf der Szene anzutreffen. Zumindest ist anzunehmen, das Charakterzüge dieser beiden Körpertypen dominieren: Mächtig sein und/oder sich zu unterwerfen kennzeichnet diese Menschen. Auch, dass viele geren die Rolle wechseln, spricht nicht gegen die Körpertypenlehre, sind doch die meisten Menschen Mischtypen. Wobei natürlich die Unterwerfung die Rolle des Kindes ist und die dominante Rolle die des Erziehers ist.</p>
<p>Die dominanten Körpertypen  (der Psychopath und der Rigide) identifizieren sich mit dem Aggressor  und verdrängen auf diese Weise die Schmerzen des Opfers.  Macht ist eben supergeil und offensichtlich für manche Menschen auch die Ohnmacht. Schon oft habe ich mit Teilnehmern den Unterschied zwischen tantrischer Hingabe und dem Opfertrip diskutiert. Im Tantra wird die Fähigkeit zur Hingabe entwickelt, die abgrenzenden  Aspekte des Egos fallen zu lassen, im Idealfall ohne Akt des Willens, sondern allein durch die Seligkeit des Verschmelzens. Für diesen Idealfall sind die Hindernisse allerdings Legion, wie wohl jeder weiß, der tantrische Vereinigungsrituale leitet! Außerdem fehlt dieser Hingabe die Zwanghaftigkeit der neurotischen Wiederholung, die jeden Opfertrip begleitet. Und sie ist begleitet von sensibler Wahrnehmung dessen, was gerade geschieht, kennt den Unterschied von Selbstaufgabe und Hingabe. Sich hingeben kann nur ein Mensch, der die Wahl hat und zumindest sich auskennt mit den eigenen inneren Zwängen.</p>
<p>Manchmal ist es sehr schwer für die Betroffenen, aus den alten Mustern auszubrechen.</p>
<p>Ich erinnere mich an eine Teilnehmerin, die sich immer wieder anmelden wollte für die Primärgruppe, es dann aber unter dem Strich nie getan hat. Ihr Ehemann stand auf Latex und Windelspielchen, auf Defäkation während des Liebesaktes. Sie selbst ist eine sehr hochgewachsene und selbstbewusste, charakterstarke Frau, bei der man  nicht vermuten würde, dass sie sich dreißig Jahre lang darauf eingelassen hat.  Ihr Ehemann gilt als erleuchtet (!) bei seinen Schülern, praktiziert Zen seit Jahrzehnten und natürlich würden auch die Schüler solche Praktiken bei ihrem Meister nicht vermuten. Ich fragte sie ein Mal, ob sie es denn nicht auch genossen hätte, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass sie  diese Praktiken jahrzehntelang mitmachte ohne Konsens! Sie sagte, keine  Sekunde, nicht den Bruchteil einer Sekunde hätte sie es je genossen. Sie wolle sich scheiden lassen und Schluss machen damit! Sie hat sich aber nie angemeldet, und nach einiger Zeit war ihre Stimme immer noch auf dem gemeinsamen AB..</p>
<p>(Diese Geschichte hatte unter anderem auf mich die Wirkung, dass ich den Buddhismus abhakte, mit dem ich zwei Jahre  sehr intensiv geflirtet hatte. Ich sagte mir: wenn es möglich ist, Buddhismus zu praktizieren und trotz aller Meditation dieser Lebensbereich vollkommen unberührt und abgespalten  bleibt, dann verzichte ich auf diesen Weg. Das ist wie in der katholischen Kirche, wo 10 – 15 % der abstinenten Gottesmänner Zöglinge missbrauchen, und alle Gebete das auch nicht verhindern!)</p>
<p>Eine andere, ein reife Frau, deren  besonders abscheulicher Missbrauch durch den Großvater(ein verurteilter Pädophiler!)  vollkommen aufgedeckt war, hatte einen Partner, bei dem regelmäßig, während eines „normalen“ Liebesaktes, die „dunkle Seite“  durchkam. Er begann dann, aus dem Nichts scheinbar, sie zu ohrfeigen und verbal aufs Schlimmste zu demütigen als „Schlammfotze“, „Flittchen“, „Stück Scheisse“ und so weiter. Sie fragte mich unter Tränen, ob sie das ertragen müsse dafür, geliebt zu werden. Ich versuchte, sie vom Gegenteil zu überzeugen und zunächst sah es  so aus, als gelänge das.</p>
<p>Sie war schwer orgasmusgehemmt, aber das konnten wir beheben! Sie brachte sogar ihren Freund mit, der tatsächlich auch eindeutig ein masochistischer Körpertyp war. Sie fand einen anderen Liebhaber in der Gruppe und alles war erst ein Mal ganz wunderbar, sie nahm sogar an einem Fortgeschrittenenseminar teil.</p>
<p>Aber dann, nach einer Weile, hörten wir nichts mehr von ihr und dann trug es uns die Gerüchteküche zu: Sie war zu ihrem alten Freund zurück gekehrt und es ging weiter wie zuvor!</p>
<p>Und so gibt es noch viele Geschichten, jedes Jahr einige – ich könnte ein Buch darüber schreiben.</p>
<p>Immer wieder: Züchtigung verbunden mit Missbrauch, hetero, homo – einzeln oder sogar mit mehreren Erwachsenen, die sich an einem Kind gütlich tun. Manchmal sind es auch ältere Geschwister: die Variationsbreite ist endlos, die Häufigkeit und Schwere und der Grad der Verdrängung auch, die schlimmen Konsequenzen für die Betroffenen sind Legion: vor allem sexuelle und emotionale Schwierigkeiten, gesundheitliche Störungen, neurotisches Abwehrverhalten.</p>
<p>Ob aber jemand tatsächlich dann auf die Szene geht oder nicht, oder das erlebte Trauma im geheimen blüht, das hängt von vielen Faktoren ab, die zu erforschen hochinteressant wäre.</p>
<p>Zum Schluss möchte ich einen Teilnehmer selbst sprechen lassen:</p>
<p>„Seit ich mich daran erinnern kann, habe ich Gewaltphantasien, in der ich von Frauen gequält und misshandelt werde bzw. diese selbst folterte. In meiner Kindheit war ich der Indianer, der am Marterpfahl stand, in meiner Jugend der Agent, der durch feindliche Agentinnen gefoltert wurde oder der Soldat, der Frauen vergewaltigte. Meine sexuellen Phantasien drehten sich hauptsächlich um Schmerz und Lust. Abgesehen von leichten Fesselspielen praktizierte ich bis zum Alter von 30 Jahren ganz normalen Blümchensex .</p>
<p>Meine ersten SM-Erfahrungen machte ich erst, als ich fest im Berufsleben stand und genügend Geld für Studiobesuche hatte. Der Besuch im Studio war dann für mich auch wie Weihnachten und Ostern zusammen. Empfangen wurde ich von einer bildhübschen Domina, die sehr einfühlsam auf meine Wünsche und Ängste bzgl. der folgenden Session einging. Die Session fand in einem dunklen, schwarzroten Raum statt, in dem Ketten und Fesseln an den Wänden befestigt waren bzw. von der Decke hingen. Das Outfit der Domina durfte ich wählen und ich entschied mich für Stiefel, Slip und nackten Oberkörper, so dass ich mich während der Session an ihrem Busen aufgeilen konnte. Nachdem ich geduscht hatte und sie sich entsprechend umgezogen hatte, begann die Session. Zuerst band Sie meine Hände an einer Eisenstange fest, die von der Decke hing.</p>
<p>Um mein Hinterteil für die eigentliche Behandlung vorzubereiten, schlug sie mir mit der flachen Hand mehrfach auf den Po. Anschließend bearbeitete sie meinen Rücken und den Po mit einer Peitsche. Die Auspeitschung erfolgte professionell, d.h.es wurde nur auf die großen Muskelgruppen geschlagen,  keine Schläge auf die Nieren, Lungen usw. Diese Auspeitschung wurde unterbrochen durch die Bearbeitung meiner Brustwarzen mit diversen Klammern. Um den Schmerz noch zu steigern, wechselte sie irgendwann, als mein Körper schon schweißgebadet war, zum Rohrstock über, ein höllisches Instrument. Konnte ich bis dahin noch meine Schmerzensschreie unterdrücken, brach nun die ganz Qual in lauten Schreien aus mir heraus. Plötzlich und ohne Vorwarnung begann sie dann ganz sanft meine abgebunden Hoden und Penis zu massieren, bis er richtig schön fest wurde. Dabei drückte sie immer wieder ihren geilen Körper an mich. Als ich mich gerade so schön an sie schmiegen wollte nahm sie wieder den Rohrstock in die Hand und schlug zu. Mein Körper war nur noch Lust, Schmerz und Ekstase. Ich hatte das Gefühl ganz nahe bei mir zu sein, war high von mir selbst. Als ich so richtig am „wegfliegen“ war, band sie mich los und befahl mir, mich auf eine Streckbank zu legen. Sie entfernte ihren Slip, stimulierte meinen Penis mit der Hand, streifte ein Kondom drüber und setzte sich mit ihrer Möse auf mich und begann, mich zu ficken. Eingefleischte Sklaven und Dominas werden jetzt aufschreien, ja mir ist bekannt, dass 90% aller Dominas nicht berührbar sind, und sich von der Prostitution distanzieren. Aber es gibt immer noch einen Graubereich der Bizarrladies, die auf solchen Lust- und Schmerzspielen stehen. Wie ja der obengenannten Schilderung zu entnehmen ist,  war ich ziemlich high nach dieser Session und das Glücksgefühl hielt auch noch ca. 6 Stunden an. Keine Trauer, keine Melancholie, sondern nur das Bedürfnis, das Ganze zu wiederholen. Neben einigen Sessions im privaten Bereich, die aber aufgrund der mangelnden Ausrüstung und fehlender Erfahrung nicht mit der Professionalität in Studios zu vergleichen sind, besuchte ich die nächsten 10 Jahren eifrige diverse Studios und Bordelle.</p>
<p>Da ich aber immer schon das Bedürfnis hatte, Spiritualität und Sex zu verknüpfen entschied ich mich, ein Tantra -Seminar zu besuchen. Vor allem war ich fasziniert von den dunklen Gottheiten Shiva und Kali, der Möglichkeit intensiven Sex zu erleben: vielleicht konnte ich das ganze ja auch noch mit SM kombinieren. Und dann kam alles ganz ganz anders…Nachdem ich in den folgenden Jahren eine Vielzahl von Advaita-Seminaren besuchte, änderte sich meine Einstellung zum SM komplett. Im Rahmen der tantrischen Primärtherapie  entdeckte ich den Grund für meine Faszination am Schmerz und an dominanten Frauen. Üble Erfahrungen mit katholischen Kindergärtnerinnen, sadistische Nachbarinnen und bedrohliche Krankenschwestern ließen in meiner Psyche den Wunsch nach  starken Frauen, die mir Schmerzen zufügen, entstehen. Ich identifizierte mich mit dem Aggressor und unterwarf mich starken Frauen, um sie dann beim Sex selbst wieder zu beherrschen.</p>
<p>Seitdem war ich in keinem Studio mehr und die sado-masochistischen Phantasien gingen stark zurück. Das Bedürfnis nach intensivem Sex und spirituellem Erleben ist immer noch vorhanden und kann zum Glück im Tantra auch ausgelebt werden. Ein Satz von Advaita hat sich mir in der Zeit als Teilnehmer der Jahresgruppe besonders eingeprägt: „Im Tantra geht es um Verehrung nicht um Unterwerfung“. Shiva verehrt seine Shakti, dazu muß er gleichzeitig Liebhaber und Krieger sein und kein Sklave. Shakti genießt und erfreut sich an der Verehrung ihres Liebhabers und obwohl sie unglaublich stark ist, unterwirft sie ihn nicht sondern sieht ihn als gleichberechtigten Liebhaber im Tanz der Lust, Kraft und Ekstase. „</p>
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<p><strong>Advaita Maria Bach, 27.4.07 in Wiesbaden</strong></p>
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